Ratgeber
Begabtenförderung im Land Sachsen-Anhalt
Unterstütze für Kind mit besonderen Lerninteressen

Von Nicole Kirbach
Hochbegabte Kinder und Jugendliche sind im Prinzip wie alle anderen Kinder und Jugendliche auch - nur eben mit einem besonders großen leistungsbezogenen Entwicklungspotenzial. Damit sich dieses Potenzial erfolgreich entfalten kann, müssen die Schüler entsprechend durch ihre Umwelt, besonders durch ihnen nahestehende Personen, unterstützt werden. Dazu gibt es Möglichkeiten innerhalb und außerhalb der Schule. Wenn diese Hilfe jeweils auf die einzelnen Kinder zugeschnitten ist, können sich ihre besonderen Begabungen, Neigungen, Interessen oder Fähigkeiten optimal entfalten.
Möglichkeiten in der Schule
Die Förderung besonders leistungsstarker und leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler ist im Schulgesetz festgelegt. Die Schulen sind also aufgefordert, besondere Potenziale von Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen. Dazu nutzen sie zum Beispiel Lernentwicklungsbeobachtungen und Lernentwicklungsgespräche.
Um dieses Potenzial zu fördern, können Lehrkräfte innerhalb der Schule zum Beispiel besondere Aufgaben zusammenstellen. Zusätzlich gibt es Wahlpflichtkurse oder schulische Leistungskurse sowie Arbeitsgemeinschaften, die auf die Stärken und Interessen der Schülerinnen und Schüler eingehen. Die Förderung erfolgt somit über zusätzliche Angebote.
Außerdem haben leistungsstarke Schüler die Möglichkeit, in ausgewählten Fächern und Lernbereichen am Unterricht in höheren Schuljahrgängen teilzunehmen. Besonders leistungsstarke Schüler können eventuell ein Schuljahr überspringen, so dass sie ihren schulischen Abschluss eher als ihre Mitschüler erlangen.
Das Land Sachsen-Anhalt nimmt von 2018 bis 2028 an einer Bund-Länder-Initiative zur Förderung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler teil, um die bereits bestehenden Fördermöglichkeiten zu vertiefen und eventuell zu erweitern.
Angebote außerhalb des Unterrichts
Außerschulische Angebote zur Förderung begabter Schülerinnen und Schüler ergänzen die Angebote im Unterricht und knüpfen an deren Inhalte an. Dazu zählen zum Beispiel Wettbewerbe und Olympiaden oder die Nutzung der Schülerlabore, die im Rahmen der Begabtenförderung bereitgestellten werden.
Interessierte Schüler haben auch die Möglichkeit, ihre Ferien für ihre Talente zu nutzen. Dazu eignen sich zum Beispiel Sommercamps, die Landesschülerakademie oder weitere Akademien, die durch verschiedene Träger angeboten werden. So gibt es zum Beispiel Sommercamps für Mathe in Halle und Magdeburg (Gymnasium "Werner von Siemens" in Magdeburg und am Georg-Cantor-Gymnasium in Halle), eine Sommerakademie für Englisch am Georg-Cantor-Gymnasium und eine Herbstakademie für Geschichte in den Franckeschen Stiftungen in Halle. Die Hochschule Merseburg bietet Sommercamps für Chemie an, die Akademie Haus Sonneck in Naumburg eine Herbstakademie für Kunst und das "Grüne Labor" in Gatersleben bietet ein Sommercamp für Biologie an. Für den MINT-Bereich gibt es außerdem das Schülerforschungszentrum in Halle. Die Gymnasien „Georg-Cantor“ und „Christian Wolff“ initiieren, unterstützt von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Stadt Halle, kreative Konstruktions- und Forschungsprozesse und bieten fachliche Beratung bei der Bearbeitung komplexer Problemstellungen.
Zur Unterstützung der Schulen bei der Förderung von leistungsstarken Schülerinnen und Schülern gibt es am Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung in Halle (LISA) eine Koordinierungsstelle. Sie berät die Schulen und informiert über die bestehenden Angebote der außerschulischen Angebote zur Förderung.
Was können Eltern tun?
Wenn Eltern oder Schüler Hilfe und Unterstützung brauchen, können sie zunächst an der besuchten Schule einen Ansprechpartner finden, der ihre Fragen entgegennimmt. Werden diese Fragen in der Schule nicht beantwortet werden, können Lernbegleiter der so genannten Netzwerkschulen hinzugezogen werden. Netzwerkschulen sind Schulen, die sich besonders aktiv und breit mit Fragen der Begabtenförderung auseinandersetzen und Schulprogramm insbesondere diesem pädagogischen Schwerpunkt widmen. Lernbegleiter, also Lehrkräfte, die sich in besonderer Weise zu Lernbegleitern qualifiziert haben, haben die Möglichkeit, sich bei der Koordinierungsstelle im LISA die notwendigen Informationen geben lassen. Sie können auch ein gemeinsames Klärungsgespräch mit den Eltern und Kindern in der Koordinierungsstelle im LISA veranlassen.
Wenn es die Feststellung um eine Hochbegabung geht, ist die BRAIN-ST-Beratungsstelle der geeignete Ansprechpartner. Auch das Landesschulamt bietet eine individuelle Beratung an und hilft, wenn es um die Festlegung von konkreten Schullaufbahnen geht.
Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite des Ministeriums für Bildung:
https://mb.sachsen-anhalt.de/themen/faecheruebergreifende-themen/begabtenfoerderung/

