Altmark
Mit Worten auf das Siegertreppchen
Ella Schmidt
Ella Schmidt erreicht beim internationalen Redewettbewerb „Cicéronnades“ den dritten Plat

Von Theresa Gringmuth
Weissenfels/MZ. Wer in Weißenfels feiern gehen möchte, muss deutlich länger auf eine passende Gelegenheit warten als beispielsweise in Halle, Magdeburg oder anderen großen Städten. Doch seit Mitte letzten Jahres findet in der Saalestadt ein Mal im Monat eine Veranstaltung statt, die einen Besuch wert ist. Dahinter steckt Evelyn Mitkin, eine 23-jährige Weißenfelserin.
Der Weg zur Teilnahme
Bereits im Februar 2025 flatterte die Ausschreibung des Wettbewerbs ins Haus. Ursprünglich war es die französische Partnerschule des Gymnasiums, die sich bewarb. Durch den engen Austausch kam schließlich auch Französischlehrerin Paula Stark auf die Idee, ihren Schülern die Teilnahme vorzuschlagen. Zusammen mit ihrer Kollegin Silke Rosenbaum informierte sie die damaligen Neuntklässler über die Möglichkeit, freiwillig mitzumachen.
Die Aufgabe klang zunächst simpel, entpuppte sich aber als echte Herausforderung: Ein französisches Gedicht musste auswendig gelernt, sprachlich interpretiert und in einer Ton- oder Videoaufnahme eingereicht werden. Es ging dabei nicht nur um das richtige Aussprechen der Wörter, sondern um Betonung, Sprachmelodie und Ausdruckskraft. „Die Jury wollte hören, ob wir uns trauen, mit der Sprache zu spielen – auch wenn wir sie nicht perfekt beherrschen“, erklärt Ella.
Unterstützung bekamen die Jugendlichen durch die schuleigene Fremdsprachenassistentin, die regelmäßig Rückmeldungen zu Aussprache und Intonation gab. Die Schüler nahmen ihre Interpretationen auf, schickten sie an die französische Partnerschule und erhielten Feedback. Auch Ella nutzte diese Hinweise und wagte schließlich die finale Einsendung an die Jury.
Warten und Hoffen
Dann begann die Zeit des Wartens. „Ehrlich gesagt habe ich fast schon vergessen, dass ich überhaupt an einem Wettbewerb teilgenommen habe“, erzählt Ella lachend. Dass sie eine Preisträgerin werden könnte, ahnte sie nicht.
Umso größer war die Überraschung, als Anfang Mai die Nachricht kam: Sie gehörte zu den besten Teilnehmern und darf zur Preisverleihung nach Frankreich reisen. Ella war gerade beim Volleyballtraining. „Ich musste die Nachricht dreimal lesen, bevor ich wirklich verstanden habe, was da stand.“
Ab diesem Moment ging alles sehr schnell. Die Preisverleihung sollte bereits Ende Mai stattfinden. Doch Lehrerin Paula Stark ließ nicht locker: Sie wandte sich an das Bildungsministerium, das im Rahmen der Begabtenförderung die Kosten übernahm. „Ohne diese Unterstützung wäre es kaum möglich gewesen“, sagt Stark.
Die erste große Reise
Am Dienstag, den 27. Mai 2025, startete die Reise. Für Ella war es ein doppeltes Abenteuer, denn sie flog zum allerersten Mal. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Frau Stark ging es von Berlin nach Paris.
Nur einen Tag später folgte der Höhepunkt: die Preisverleihung im Schloss Chambord, rund drei Stunden südlich von Paris. Von 1509 Teilnehmenden waren lediglich 40 nach Frankreich eingeladen worden.
Ella erfuhr erst dort ihre Platzierung: Platz drei in der Kategorie Französisch als Fremdsprache. „Ich konnte es kaum glauben – ich war so nervös, dass ich am liebsten im Boden versunken wäre.“ Doch die Freude überwog. Neben einer Urkunde erhielt sie ein französisches Buch und eine Ehrung am Ende des Schuljahres.
Paris im Abendlicht
Nach der Feier blieb noch Zeit, die Hauptstadt zu entdecken. Am selben Abend fuhr die kleine Reisegruppe zurück nach Paris. Natürlich durfte ein Abstecher zum Eiffelturm nicht fehlen. Zufällig erlebten sie dort ein Feuerwerk, das anlässlich des Aufstiegs des Fußballvereins Paris FC gezündet wurde. „Es war wie ein Film – alles hat geglitzert, Menschen haben gejubelt, und wir standen mittendrin“, erzählt Ella begeistert.
Am nächsten Morgen frühstückten sie mit Blick auf die Basilika Sacré-Cœur, schlenderten durch kleine Gassen und genossen die Atmosphäre, bevor es zurück nach Deutschland ging. Für Ella war es eine kurze, aber intensive Reise mit bleibenden Eindrücken.
Lernen jenseits des Klassenzimmers
Besonders spannend war für sie, das Gelernte im Alltag anzuwenden. Ob beim Einkaufen oder im Gespräch mit anderen Jugendlichen: Überall konnte sie ausprobieren, wie weit sie mit ihrem Französisch kommt. „Manchmal war es richtig schwer, weil alles so schnell gesprochen wurde. Aber genau das hat mich motiviert, noch besser zu werden.“
Auch kleine kulturelle Unterschiede fielen ihr auf: „Die Begrüßungen mit Küsschen sind bei uns unüblich. Und in Paris habe ich gemerkt, wie dicht Armut und Reichtum beieinanderliegen.“

Ella Schmidt und Paula Stark, Ella Schmidt bei der Preisverleihung.
Persönliche Entwicklung
Obwohl Französisch nicht zu Ellas Lieblingsfächern gehört – sie bevorzugt Mathematik – hat sie großen Spaß am Sprachenlernen. Sie gibt Mitschülern Nachhilfe, spielt seit fünf Jahren Volleyball und trägt dort die Kapitänsbinde. „Sport ist mein Ausgleich zur Schule, und im Team zu spielen macht einfach Spaß.“
Die Reise nach Frankreich hat ihr Selbstvertrauen gestärkt. „Ich habe gelernt, dass ich mutiger bin, als ich dachte.“ Ihr Blick auf die französische Sprache hat sich verändert: „In der Schule bleibt vieles theoretisch. Vor Ort merkt man, wie lebendig Sprache ist. Das macht Lust auf mehr.“
Fazit
Von der ersten Probeaufnahme über die nervöse Wartezeit bis hin zur Preisverleihung im Schloss Chambord – Ellas Geschichte zeigt, wie lohnend es sein kann, Chancen zu ergreifen. Ihre Begeisterung für Sprachen wurde neu entfacht. Und sie ist sich sicher: Diese Erfahrung wird sie noch lange begleiten.
© Fotos: Paula Stark


