Altmark
In der Hauptrolle: Ameisen
Sebastian Kilanowitsch

Juliane Graichen, Projektleiterin
Foto: Denny Kleindienst
Gewinner des Jugendfilmpreises Sachsen-Anhalt 2022
Von Elisa Schulz
Zwischen Kabeln, Kameras und Kolonien aus Hunderten winziger Insekten entsteht die filmische Welt von Sebastian Kilanowitsch. Der 19-Jährige aus Salzwedel hat sich den Ameisen verschrieben – und dem Film. Während andere angehende Filmschaffende Musikvideos oder Kurzdramen drehen, richtet er seine Kamera auf das Reich der kleinen Krabbler. Was zunächst nach einem ungewöhnlichen Hobby klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als beeindruckende Leidenschaft für Natur, Detailarbeit und filmisches Erzählen.
„Ich war schon als Kind fasziniert von Ameisen“, erzählt Sebastian Kilanowitsch. Vor knapp fünf Jahren begann er, seine ersten Videos auf YouTube hochzuladen. Kurz darauf wechselte er auf TikTok – mit Erfolg: „Ich hatte dann zwischen fünf- und zehntausend Follower und mehrere Ameisenkolonien zu Hause.“
Sein Vater brachte den damals 15-Jährigen schließlich auf die Idee, ein Praktikum beim Offenen Kanal Salzwedel zu absolvieren. In diesem Rahmen drehte der junge Filmemacher zwei Videos über seine ungewöhnlichen Mitbewohner, stellte sie vor und erklärte ihr Verhalten. Mit dem Beitrag „10 krasse Fakten über Wirbellose“ gewann er 2022 den Jugendfilmpreis Sachsen-Anhalt.

Offener Kanal Salzwedel, Ivonne Ritter
Von der Idee zum Preis
Doch damit war sein Weg erst richtig begonnen. „Auf Grundlage des Videos habe ich dann ein neues gemacht und wieder bei Filmpreisen eingereicht“, erzählt Kilanowitsch. Mit Erfolg: Sein Film „Kurios und Wirbellos“ wurde 2023 sowohl beim Jugendfilmpreis Sachsen-Anhalt als auch beim Deutschen Jugendfilmpreis nominiert. Den Bürgermedienpreis Sachsen-Anhalt 2023 gewann er in der Kategorie „Bester Beitrag unter 18 Jahren“.
Heute absolviert Sebastian Kilanowitsch beim Offenen Kanal eine Ausbildung zum Mediengestalter für Bild und Ton. Über seine Auszeichnungen spricht er eher zurückhaltend – wichtiger sei ihm das Handwerk: „Die Kombination aus Technik und purer Kreativität ist für mich das Schönste“, sagt er. Er liebt es, Menschen zu unterhalten und Wissen zu vermitteln.
Beim Offenen Kanal lernt er das Filmemachen von Grund auf: Kamera, Schnitt, Ton, Redaktion. „Ich kann hier viel ausprobieren, und das Team unterstützt mich bei eigenen Projekten“, erzählt er. Eine wirkliche Lieblingsaufgabe hat er dabei nicht: „Planung und Vorbereitung mag ich eigentlich nicht so gern – und gleichzeitig ist es mit das Beste“, sagt er lachend. „Alles ist anstrengend, nervenaufreibend und zeitaufwendig, aber das Resultat am Ende ist das Schönste.“
Ein Talent, das andere fördert
Seine Kolleginnen und Kollegen schätzen seine Ausdauer und Präzision. „Wir haben uns sehr bemüht, ihn als Azubi zu bekommen“, sagt Ivonne Ritter, Leiterin des Offenen Kanals. Neben seiner Ausbildung betreut der 19-Jährige auch die Filmwerkstatt für Kinder zwischen zwölf und 18 Jahren. „Die Jugendlichen entwickeln dabei eigene Filme – von der ersten Idee bis zur Premiere“, erklärt Ritter.
Das Projekt, das 2023 ins Leben gerufen wurde, richtet sich vor allem an Kinder aus benachteiligten Verhältnissen. Die Themen der Kurzfilme werden gemeinsam entwickelt. „Es wird demokratisch entschieden, welches Genre es wird“, sagt Ritter. Mittlerweile fand die Filmwerkstatt bereits zum dritten Mal statt. „Einige Kinder sind seit Anfang an dabei“, erzählt sie. „Und manche möchten später tatsächlich etwas mit Medien machen.“ Sebastian Kilanowitsch unterstützt die jungen Filmemacher nicht nur technisch, sondern auch mit Begeisterung.
Zwischen Schwertkampf und Schlafmangel
Neben seiner Ausbildung engagiert sich der 19-Jährige in einem Verein für historischen Schwertkampf – auch darüber hat er bereits Videos produziert. Seit Anfang 2025 sind seine Inhalte rund um Insekten seltener geworden. „Ich wollte mich auf andere Dinge konzentrieren“, sagt er. Dazu gehörten Studentenprojekte und Konzertaufzeichnungen. „Ich will einfach immer etwas zu tun haben.“
Ganz losgelassen haben ihn die Ameisen trotzdem nicht. Mit seiner Leidenschaft nahm er 2025 erneut am Jugendfilmpreis Sachsen-Anhalt teil – diesmal in der Kategorie „Next Level“, in der fortgeschrittene junge Filmschaffende antreten.
Sein aktueller Film trägt den Titel „Microiviats“. Darin porträtiert Sebastian einen Chemnitzer, der Ameisen züchtet und sich damit ein kleines Business aufgebaut hat. „Ich hatte wieder den Anspruch, etwas über Ameisen zu machen“, sagt er. Über eine Online-Plattform fand er den Protagonisten und begleitete ihn mit der Kamera. „Der Film hat mir schlaflose Nächte bereitet – auf 48 Stunden Arbeit kamen nur fünf Stunden Schlaf“, erzählt er.
Doch diesmal war er nicht so erfolgreich. Zum Jugendfilmpreis 2025 ging er ohne Auszeichnung nach Hause. „Es ist auch einfach schwierig, Filme miteinander zu vergleichen“, sagt er. „Die sind alle auf so vielen verschiedenen Ebenen unterschiedlich. Ich finde es allein schon mega krass, den eigenen Film auf der großen Leinwand zu sehen – das ist ein riesiger Motivationsschub.“ Und wie geht es weiter? „Ich habe schon eine neue Idee – und ja, es wird wieder um Ameisen gehen“, sagt er mit einem Lächeln.
© Fotos: Offener Kanal Salzwedel, Elisa Schulz




