Harz
Verborgene Keime
Anni Katterbe und Lucia Liebe
Schülerinnen erforschen die Hygiene von Trinkflaschen

Von Johanna Ahlsleben
Wernigerode - Von außen wirkt eine Schülertrinkflasche harmlos: bunt, praktisch, stets griffbereit. Doch was sich im Inneren abspielt, bleibt meist unsichtbar – ein Paradies für Bakterien. Zwei Schülerinnen aus Wernigerode wollten es genauer wissen.
Anni Katterbe und Lucia Liebe haben untersucht, wie sauber Trinkflaschen wirklich sind – und welche Rolle Material und Reinigung spielen. Mit ihrem Projekt „Die unhygienische Schülertrinkflasche“ sind die beiden Gymnasiastinnen beim Wettbewerb Jugend forscht an den Start gegangen. Und erreichen sogar den zweiten Platz beim Landeswettbewerb.
„Wir saßen in unserem Klassenraum und haben gemerkt, wie viele verschiedene Trinkflaschen es eigentlich so gibt“, sagt die 17-Jährige Anni Katterbe. Gemeinsam mit ihrer Freundin Lucia Liebe entwickelte sie daraus eine Forschungsfrage: Wie hygienisch sind Schülertrinkflaschen wirklich?
Die beiden Schülerinnen gingen systematisch vor. Sie wählten drei gängige Flaschentypen – Glas, Aluminium und Kunststoff – und ließen Testpersonen über mehrere Wochen ausschließlich Wasser daraus trinken. Gereinigt wurden die Flaschen entweder mit Wasser oder mit einer Reinigungstablette auf Chlorbasis.
Jede Woche wurden die Trinkflaschen eingesammelt, Abstriche genommen und diese im Brutschrank kultiviert. Anschließend haben sie die Bakterienkolonien ausgezählt. Begleitet wurden die beiden von einem Experten des Wernigeröder Robert-Koch-Instituts, der ihnen nicht nur Laborgeräte, sondern auch wissenschaftliche Beratung zur Verfügung stellte. Auch ihre Projektbetreuerin Cathleen Rackwitz hat die beiden beraten und motiviert.

Anni Katterbe und Lucia Liebe, Wasserfalschen befüllen am Trinkbrunnen, Die im Experiment gezüchteten Bakterienkulturen
Die Ergebnisse des Trinkflaschen-Tests überraschten die beiden Forscherinnen aus Wernigerode. „Bei unseren Ergebnissen hatten wir nicht erwartet, dass die äußerlich verschmutzte Metallflasche letztendlich die sauberste war“, sagt 16-Jährige Lucia Liebe rückblickend.
Tatsächlich zeigte sich aber, dass die Kombination aus Material, Oberfläche und Reinigungsweise entscheidend ist. Besonders effektiv erwiesen sich Reinigungstabletten – allerdings nicht bei jedem Material. Während Glas deutlich profitierte, blieben Kunststoff und Metall erstaunlich resistent.
Bei Kunststoff war die Koloniezahl mit und ohne Reinigungstablette in den vier Wochen relativ gleich. Die Bakterienanzahl war zudem am niedrigsten. Ähnlich haben sich die Ergebnisse bei den Metallflaschen verhalten.
In ihrer dazugehörigen Forschungsarbeit denken die beiden Schülerinnen längst über die Laborergebnisse hinaus: „Uns ist aufgefallen, wie viel ein Trinkbrunnen in der Schule ausmachen könnte und dass es eine sehr gute Möglichkeit wäre, die Schüler und Schülerinnen dazu zu motivieren, mehr zu trinken“, schreiben sie.
Auch denken sie über die Möglichkeit nach, die umweltfreundliche Glasflasche mit einer Aluminium-Beschichtung zu kombinieren. „So könnte man vielleicht eine umweltfreundliche und hygienischere Lösung daraus ableiten“, meinen die beiden Gymnastinnen.
Was die beiden antreibt, ist die Freude am Forschen. „Es ist ein Thema, welches alle Altersklassen anspricht und beschäftigt“, sagt Anni Katterbe, die sehr an einem biologischen Studium interessiert ist. „Außerdem hat uns interessiert, ob die Materialien auch einen Einfluss auf unsere Gesundheit haben.“
Die Jugend-forscht-Zeit ist den beiden Schülerinnen besonders in Erinnerung geblieben. „Zusammen an diesem Projekt zu arbeiten war eine tolle Erfahrung“, sagt Anni Katterbe. „Wir konnten uns oft gegenseitig unterstützen oder zu bessere Leistungen motivieren.“ Das Trinkflaschen-Projekt habe sie neugierig gemacht, weswegen sie gleich nochmal am Wettbewerb teilgenommen hat.
Für Lucia Liebe gab es keinen einzelnen Moment, der ihr aus der Projektzeit besonders in Erinnerung geblieben ist – vielmehr waren es die Nachmittage, die sie und ihre Freundin gemeinsam verbracht haben. „Wenn wir mehr geredet und gelacht als tatsächlich gearbeitet haben“, sagt die 16-Jährige. Auch sie hat sich mit einem Projekt am Wettbewerb teilgenommen.
© Fotos: Cathleen Rackwitz



