Halle
Eine Leidenschaft für Design und Kunst
Mia Hornbogen
Entwarf das Werk „Faustische Erkenntnis: Verweile doch! Du bist so schön!“ in Bad Lauchstädt

Von Nicole Kirbach
Mia Hornbogen hat bereits früh ihre Begeisterung für die Kunst entdeckt. „Ich habe mich schon dafür interessiert, als ich noch ganz klein war“, erzählt sie. „Ich habe damals sehr viel gemalt und auch Kunstmuseen besucht.“ Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie ihr Fachabitur an der BbS III J.C.v. Dreyhaupt in Halle im Bereich Gestaltung abgelegt hat. Hier konnte die Bad Lauchstädterin bei vielen praktischen Projekten ihrer Kreativität freien Lauf lassen und in die Welt von Design eintauchen. Dabei hat sie nicht nur viel handwerkliches Know-how gelernt, sondern auch die digitale Umsetzung ihrer Ideen. „Wir hatten sehr viel Kunstunterricht. Tatsächlich war das Fach wichtiger als Deutsch, Mathe oder Englisch“, erinnert sie sich.
Schlittschuhlaufen wie Goethe
Im Rahmen ihres Fachabiturs hat sie verschiedene Praktika absolviert. Als sie bei einer Werbefirma tätig war, erhielt der Betrieb einen Auftrag von der Goethestadt Bad Lauchstädt. Er sollte die Gestaltung des Glasübergangs zwischen Altem und Neuem Rathaus übernehmen. Der Betrieb hat die junge Künstlerin gebeten, eine Idee zu entwickeln. „Ich dachte mir, dass es doch ganz cool wäre, wenn Johann Wolfgang von Goethe über den Gang laufen würde“, sagt Hornbogen. Und so hat die Werbefirma den Übergang mit einem Bild von dem Dichter beklebt.
Für ein anderes Projekt hatte sie auch die entscheidende Idee. Zur Landesgartenschau in Bad Dürrenberg 2024 wollte sich die Goethestadt anlässlich des 275. Geburtstages ihres Namensgebers mit einer besonderen Aktion präsentieren. „Da Goethe Schlittschuh lief, hatte ich den Einfall zu einer Schlittschuhbahn“, erklärt sie. So gab es eine sechs mal vierzehn Meter große Bahn aus Plastik, wo sich die Besucher die Schuhe vor Ort kostenlos ausleihen konnten.

Idee für einen Wohlfühlort
Inzwischen studiert die 19-Jährige im ersten Semester „Kultur- und Medienpädagogik“ an der Hochschule Merseburg. Ihr aktuelles Projekt dreht sich um Goethes Faust. Sie entwarf das Designwerk „Faustische Erkenntnis: Verweile doch! Du bist so schön!“ Denn in Bad Lauchstädt ist man sich in der Stadtverwaltung sicher: Johann Wolfgang von Goethe sind hier bei seinen Kuraufenthalten 1805 die entscheidenden Ideen zum Teufelspakt zwischen Faust und Mephisto gekommen. Er soll sich damals entschlossen haben, den ersten Teil von „Faust“ fertig zu stellen. Dieser Erkenntnis wollte die Stadtverwaltung ein „Denkmal“ setzen, das die zentrale Rahmenerkenntnis aus Faust verkörpert: „Verweile doch! Du bist so schön!“. Es sollte ein Verweilort zur Ruhe, Entspannung und Findung entstehen, der die Bezüge zu Goethes Faust deutlich werden lässt.
Hier kam erneut Mia Hornbogen ins Spiel. „Ich fand die Idee für den Übergang zwischen Altem und Neuem Rathaus so toll, dass ich Mia einfach gefragt habe, ob sie nicht auch eine Idee für den Verweilort hat“, erinnert sich Christian Runkel, Bürgermeister der Goethestadt Bad Lauchstädt.
Die Studentin hatte sich im Rahmen ihres Fachabiturs zu dem Thema „Wohlfühlort“ ein Konzept überlegen und dann ein Modell bauen müssen. Das kam bei Runkel so gut an, dass sie die Grundidee für das Faust-Projekt adaptieren und umsetzen sollte.
Da war es hilfreich, dass sie selbst die beiden Werke reizvoll findet: „Das Drama entwickelt sich innerhalb weniger Seiten zur Menschheitstragödie mit zahlreichen immer noch aktuellen Facetten. Goethe nimmt dabei uns Leser mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Auf fast jeder Seite wird eine immer noch aktuelle Lebensweisheit vermittelt“, so die junge Künstlerin. Am meisten habe sie die Szene „Studierzimmer“ berührt: Bescheidne Wahrheit sprech ich dir. Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt, Gewöhnlich für ein Ganzes hält. Denn die Probleme seien heutzutage immer noch dieselben. „Wie oft lassen wir uns zum Beispiel auf Social Media nur vom kurzen Blick verleiten und machen uns nicht die Mühe nach den Zusammenhängen und Gründen zu fragen?“, gibt sie zu bedenken. Das fertige Kunstwerk kann ab dem Frühjahr – genau 220 Jahre nach Druckfreigabe des „Faust“ durch Goethe – in der Goethestadt besichtigt werden.
Wenn Mia Hornbogen nicht gerade künstlerisch tätig ist, fährt sie in ihrer Freizeit gerne Fahrrad oder geht schwimmen. Und weil sie sich ihrer Heimatstadt so verbunden fühlt, ist sie seit vergangenem Jahr Brunnenkönigin der Stadt Bad Lauchstädt und des Bad Lauchstädter Brunnen. Ihr Studium dauert noch fünf Semester. Danach möchte sie entweder Kunstlehrerin an einer Fachoberschule oder Innenarchitektin werden.
© Fotos: Vincent Graetsch

