Anhalt Dessau
Vom Elbufer zur Weltspitze: Diese Jungs aus Wittenberg sahnen Preise im Schlauboot-Slalom ab
Armin Wiedemann und Valentin Fitz

Juliane Graichen, Projektleiterin
Foto: Denny Kleindienst
Armin Wiedemann und Valentin Fitz von der Wassersportgemeinschaft (WSG) Wittenberg waren vergangenes Jahr bei der Weltmeisterschaft im Schlauchboot-Slalom. Armin holte sich sogar einen WM-Titel. Warum beide so von diesem Sport schwärmen.
Von Thomas Klitzsch
Wittenberg/Radis/MZ. – Der zehnjährige Armin Wiedemann aus Wittenberg hat sich den Weltmeister-Titel im Schlauchboot-Slalom geholt. Gemeinsam mit seinem 13-jährigen Freund Valentin Fitz ist er vergangenen Sommer bei der WM in Ungarn angetreten.
Genau genommen wurde Armin Weltmeister in der Gesamtwertung der Klasse 2. Bei ihm lief es gut. Obwohl er, genau wie Valentin, nur jede der beiden Disziplinen vorher zweimal üben konnte. Wie er sagt, mache ihm das Fahren mit den großen Buschbooten Spaß, „weil sie schnell sind“. Das reizt ihn an dem Sport und bei der WM besonders. Denn dort werden Motoren mit 9,9 PS gefahren. Damit kommt man auf etwa 40 km/h.
Kampf gegen Litauerin
Und der Junge zeigte, was er drauf hat. „Im Parallelslalom musste ich erst unter die Top Vier kommen“, sagt Armin. Dann fuhr er im großen Finale. Die beiden Fahrer absolvieren den Parcours gegeneinander. Seine Kontrahentin kam aus Litauen und war genau so alt wie er. Jeder der beiden absolviert die Strecke zweimal. Das heißt, Boot und Strecke werden getauscht. Jeder hat die gleichen Chancen. Hier unterlag Armin. Ein kleiner Luftzieher vereitelte den Sieg. Er wurde Zweiter. Doch im Manöverring siegte Armin unangefochten. Das brachte ihm schließlich den Gesamtsieg ein.
Leider lief es bei Valentin nicht so gut. Er fand nicht seinen Lauf. Zum Schluss belegte er Platz Sieben. „Doch er ist ein echter Sportler“, betont Katharina Wiedemann, die Mutter. Trotz seiner Niederlage gratulierte er Armin und freute sich mit ihm und den anderen Gewinnern.
Sein siebter Platz bescherte aber dem Team noch Punkte zum Gesamtsieg. Er schrieb dann aus dem anschließenden Urlaub: „Im Trainingslager habe ich mich auf die WM vorbereitet, doch es ist nicht so gelaufen, wie ich wollte. Aber ich versuche, meine Krone zu richten und nach vorne zu schauen.“
Mehrere Titel gewonnen
Doch warum hat er sich ausgerechnet dem Schlauchboot-Slalom verschrieben? – „Weil, ich bin gut darin bin“, platzte es sofort aus Valentin Fitz heraus. Und damit hat der 13-Jährige auch recht. Denn trotz des jungen Alters und der Probleme bei der WM in Ungarn nennt er bereits vier Deutsche Meister-, ein Vizeweltmeister- und ein Weltmeistertitel im Schlauchboot-Slalom sein Eigen.

Ähnliches kann Armin Wiedemann von sich behaupten. Er ist zehn Jahre alt und war vorher auch schon bei zwei Weltmeisterschaften dabei. Hier holte er eine Goldmedaille in der Teildisziplin Manöverring und den Gesamtdritten. Aber auch er hat schon zweimal die Deutschen Meisterschaften für sich entscheiden können. Ihn zog es wegen der Technik und der Schnelligkeit des Sportes zur Wassersportgemeinschaft Wittenberg (WSG).
Valentin ist nun schon seit 2018 dabei. Damals besuchte er mit seiner Mutter einen Tag der offenen Tür an der Elbe und durfte schon einmal mit dem Schlauchboot fahren. Da war es um ihn geschehen und er blieb dabei. Armin hingegen wurde durch seinen großen Bruder angesteckt.
Buschboote im Einsatz
Zuhause in Deutschland bedeutet das aber auch regelmäßiges Training. Vor der WM in Ungarn war für die beiden Wittenberger extra ein Trainingslager mit dem Team anberaumt. Denn es ist bei den Welttitelkämpfen etwas anders. Nicht nur, dass dort sogenannte Buschboote zum Einsatz kommen. Das sind Schlauchboote mit einem glatten Boden. Außerdem sind dort die Motoren stärker. Dies sei schon ein gravierender Unterschied, bestätigen die beiden Rennfahrer. Denn das Buschboot „schlittert“ viel mehr beim Fahren um die Kurve. Da muss man dolle aufpassen. Auch bei den stärkeren Motoren ist Fingerspitzengefühl gefragt. Fahren die Jungs in der Heimat mit fünf PS am Schlauchboot, sind es bei der WM zwischen zehn bei Armin oder sogar 15 bei Valentin. Da sie in Wittenberg kein solches Buschboot haben, bleibt ihnen nur die Zeit in der Vorbereitung kurz vor dem Wettkampf, sich mit der anderen Technik vertraut zu machen.
Im Wettkampf schließlich müssen zwei Disziplinen absolviert werden. Zum einen den so genannten Manöverring. Dort sind zwei Bojen im Wasser platziert und die Sportler müssen diese mit unterschiedlichen Manövern passieren. Dabei dürfen die Bojen nicht berührt werden. Die Manöver sind vom Alter abhängig. Je älter, desto schwieriger werden sie. Die zweite Disziplin ist der Parallelslalom. Natürlich zählt auch die benötigte Zeit. Und alle Sportler fahren mit dem gleichen Boot und demselben Motor.
Auf der Suche nach Sponsoren
Dieser spezielle Motorbootsport ist vor allem für Kinder und Jugendliche gedacht. Denn auch wenn man ihn in Deutschland bis 27 Jahren ausüben kann, geht es international nur bis 18 Jahren. Dann ist eigentlich der Umstieg in den Rennmotorbootsport vorgesehen.
In der WSG trainieren insgesamt elf Kinder auf der Elbe gegenüber dem Hafen. Dabei sind zwei Mädchen und zwei Weltmeister.
Beide Sportler und auch die Eltern wären froh, wenn sich für ihre Nischensportart auch mal Sponsoren finden würden. Denn so ein Buschboot kostet mehre Tausend Euro. Und damit auch zu Hause zu trainieren, wäre ein Traum für die beiden.
© Fotos: Thomas Klitzsch, Fitz, Wiedemann



