Anhalt Dessau
Auf dem Weg nach oben - Newcomer und Rapper Kino22 im Interview
Kino22

Juliane Graichen, Projektleiterin
Foto: Denny Kleindienst
Kino22 ist ein ambitionierter Nachwuchsmusiker aus Dessau-Roßlau. Im MZ-Gespräch spricht der 20-Jährige über seinen Weg zur Musik, seine Heimatstadt und den Mut Fehler zu machen.
Von Robert Horvath
Dessau-Roßlau/MZ. - Er kommt aus Dessau-Roßlau, ist 20 Jahre alt und performt mit seiner Musik bereits auf größeren Bühnen: Kino22. 2024 hat der junge Musiker einen Nachwuchswettbewerb gewonnen und infolgedessen auf dem Backyard-Festival in Leipzig gespielt. Das Gespräch mit dem ambitionierten Künstler führte Robert Horvath.
Dass jemand in so jungen Jahren bereits auf größeren Bühnen spielt, das kommt selten vor. Wie bist du zur Musik gekommen?
Kino22: Ich bin in einer Künstlerfamilie aufgewachsen. Meine Eltern haben beide beruflich mit Tanz zu tun. Dementsprechend habe ich als Kind viel Zeit im Theater und auf der Bühne verbracht.
Anfangs habe ich mich musikalisch über das Tanzen ausgedrückt. Als ich älter geworden bin, wollte ich eigene Musik machen. Ich habe Melodica, Akkordeon, Geige und Schlagzeug spielen gelernt und im Chor sowie bei Schulmusicals mitgesungen.
Was du inzwischen veröffentlichst, hat allerdings nicht mehr so viel mit Geige und Akkordeon zu tun...
Das stimmt. Schon zu Schulzeiten habe ich angefangen, meine Emotionen und Gedanken aufzuschreiben. Unter anderem im Tagebuch. Gleichzeitig sind meine Freunde und ich mit Rap in Kontakt gekommen und wir haben auf dem Schulhof gefreestylt. Das waren dann meine ersten Gehversuche mit Reimen und Metaphern.
Als Jugendlicher hat man immer neue Probleme und Ängste, die auf einen zukommen. Zum Beispiel, wenn man zum ersten Mal die Liebe kennenlernt. Das Texteschreiben war dann eine kreative Art, mit diesen Veränderungen umzugehen. So sind meine ersten Liedtexte entstanden.

Und dann kam zu den Texten die musikalische Begleitung dazu?
Ja. Ich habe das simpelste gemacht, was man machen kann. Ich habe im Internet nach irgendwelchen Beats gesucht und die unter meine Texte gelegt, um zu schauen, was passt. So fingen die ersten Aufnahmen an. Das war etwa 2022 – aus dem Gefühl heraus.
Als ich meinem Freund Hannes dann einen Song gezeigt habe, hat er mir Mut zugesprochen, mir geraten, weiterzumachen, und mich ein paar Leuten vorgestellt, die auch Musik machen.
Später kamen dann erste qualitativ hochwertige Aufnahmen im Tonstudio zustande.
Wie würdest du die Musik beschreiben, die du heute machst?
Ich probiere mich aus und habe noch nicht unbedingt diesen einen Sound. Der größte Nenner von all dem, was ich mache, ist auf jeden Fall Rap. Aber dann gibt es da noch eigene Farben, die ich dazugebe. Egal, ob Rock, Indie, Trap oder Hyperpop. Ich suche meinen Ausdruck in den unterschiedlichsten Genres. Gerade ist es mir wichtig, komplett flexibel zu sein.
Worum geht es in deinen Songs?
Die meisten Lieder, die ich veröffentlicht habe, handeln von der Mischung aus unerreichbarer Liebe, Alltag, eigenen Gedanken, meinen und den Problemen, die ich in meinem Umfeld wahrnehme. Ich schreibe sehr viel über Gefühle. Auch über Diskriminierung und Hass.
Dessau ist in den meisten deiner Musikvideos zu sehen. Inspiriert dich deine Heimatstadt?
Ich für meinen Teil will ehrlich zu mir selbst sein. Ich komme von hier. Deswegen zeige ich in meinen Musikvideos auch gern die Stadt und ihre Möglichkeiten. Klar, Dessau ist klein und nicht vergleichbar mit Großstädten. Aber das heißt nicht, dass es hier weniger Inspiration gibt. Man kann hier sehr viel erleben, wenn man sich umschaut und sich auf die Möglichkeiten, die die Stadt bietet, einlässt.
Zum Beispiel auf die Subkultur. Parkour, Roofing, Graffiti oder Skaten – ich liebe Skateplätze. Man trifft sich mit Menschen, man fällt gemeinsam hin und steht gemeinsam wieder auf. Das ist ein Ort, wo man sich trauen kann, auf die Fresse zu fliegen. Man macht aus wenig mehr.

„Ein Dach ist ein bisschen wie der Mond“: Der junge Dessauer Musiker „Kino22“ verbringt gern Zeit auf den Dächern seiner Heimatstadt.
Hast du hier einen Lieblingsort?
Ich liebe Dächer. Ein Dach ist ein bisschen wie der Mond – ein Ort, wo nur wenige Leute drauf waren. Dahin kann man sich gut zurückziehen und die Welt mal von oben betrachten.
Zuletzt: Dein Künstlername lautet Kino22. Was hat es damit auf sich?
Das kann ich leider nicht beantworten. Die Bedeutung ist zu persönlich und deswegen geheim. Außer mir kennt sie niemand.
© Fotos: Thomas Ruttke, Zweischuss


