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  Jerichower Land  

Die Zukunft der Brandbekämpfung: Eine Schaumkanone aus Möser

Maximilian Friedrich

Wie kann die Zukunft der Brandbekämpfung aussehen? In Zeiten immer extremer werdenden Wetters, mit großer Hitze und langen Trockenheitsperioden, wird diese Frage in Anbetracht häufiger Wald- und Feldbrände wichtiger.

Profil-Friedrichs-©IFP-Möser-.jpg

  Von Henning Paul  

Eine mögliche Antwort darauf wurde und wird derzeit in Möser entwickelt. Hier arbeitet Maximilian Friedrichs mit seinem Unternehmen „Intelligent Firefighting Solutions“ (Intelligente Feuerbekämpfungs-Lösungen) an der Schaumkanone „FoamGiant“ (zu deutsch: Schaumgigant).

Wasserstrahltechnik Foam bietet intelligente Brandbekämpfung

Dieses Gerät soll es Feuerwehren, die es im Fachjargon „Strahlrohr“ nennen, und anderen Brandbekämpfern möglich machen, möglichst leicht Brandherde zu bekämpfen. Erste Tests wurden bereits vor zwei Jahren auf dem Gelände einer Gärtnerei in der Gartenstadt durchgeführt. Seitdem haben sich das Unternehmen und seine Produkte weiterentwickelt.

Die Idee zur Entwicklung eines solchen Gerätes entstand während seines Maschinenbau-Studiums an der Otto-von-Guericke-Universität. Dort absolvierte Friedrichs sowohl seinen Bachelor- als auch den Master-Abschluss, für den er beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt seine Arbeit schrieb.

Am Ufer der Saale

Über Bekanntschaften aus der Kindheit erinnert sich Evelyn schließlich an das Bootshaus, ein Restaurant in Weißenfels, direkt am Ufer der Saale gelegen. Der Ehrgeiz ist also geweckt. Die damals 22-Jährige arbeitet ein Konzept aus, wie solch eine Party im Bootshaus aussehen könnte, und stellt es schließlich im Mai 2025 den Bootshaus-Besitzern Maurice und Katrin Tober vor. „Eigentlich waren die beiden von der ersten Sekunde an sofort begeistert“, erinnert sich Evelyn. Und nur etwas mehr als einen Monat später, im Juli 2025,  findet schließlich die erste After-Work-Party  im Weißenfelser Bootshaus statt.

Idee: Jede Menge Schaum für Löschmodule produzieren

Während des Studiums entschied er sich für die Vertiefung im Bereich mechanische Konstruktion, das auch die Entwicklung eines Projekts beinhaltete. Hier entschied sich der 27-Jährige, der viele Jahre in Biederitz und Möser wohnte, für den Bereich Wasserstrahltechnik beziehungsweise Technik für Fluide.

„Im Projekt entstand die Idee, ob es möglich ist, größere Mengen an Schaum für Lösch-Module zu erzeugen“, beschreibt er. Die daraus entstandende Schaumkanone funktioniere nach dem Turbo-Prinzip, bei dem mithilfe eines Wasserstrahles eine Turbine angetrieben wird, geht Friedrichs ins Detail. „Es war eine Idee, in der nicht sofort der Kunde im Fokus stand, sondern, um es einfach mal zu versuchen.“ Schnell sei ihnen dabei das Potenzial der Entwicklung aufgefallen.

Hilfe durch Land und Uni - Schaumkanone zur Vegetationsbrandbekämpfung

Aus dem Übungsprojekt wurde somit Ernst. „Mit der Zeit ist uns klar geworden, dass Vegetationsbrandbekämpfung in Europa und Deutschland ein super spannendes Thema ist“, erinnert er sich. Und so entschied sich die Studiengruppe das Thema weiter zu verfolgen, auch über die direkte Studienzeit hinaus.

Mit der Uni Magdeburg wurde ein Förderprojekt vereinbart, das mit dem sogenannten „Exist Gründerstipendium“ unterstützt wird. „Damit werden kreative Ideen gefördert, die auch eine Gründerperspektive haben“, erklärt der Maschinenbauer.

Stipendium ermöglicht Entwicklung der innovativen Feuerwehrausrüstung

Das Stipendium lief für ein Jahr, in diesem Zeitraum sei das Projekt weiter in Richtung Schaumkanone vorangetrieben worden. „Durch das Stipendium erhält man einerseits Geld für den Lebensunterhalt und anderseits Sachmittel für das Projekt.

Die Uni hat uns angeboten, die Materialien des Projekts an uns zu übertragen, weil diese Dinge im Zuge des Projekts erstmal Universitätseigentum sind“, so Maximilian Friedrichs.

Maximilian Friedrichs bei der Arbeit

Erst Förderprogramm „Ego.-Start“ Sachsen-Anhalt dann Firmengründung in Möser

Weitere Unterstützung konnten die jungen Entwickler durch das Förderprogramm „Ego.-Start“ des Landes Sachsen-Anhalt gewinnen. „Dadurch konnten wir nochmal ein Jahr dranhängen und das Thema Vegetationsbrandbekämpfung besser betrachten.“ Zum Ende des Projekts gründeten die Studenten dann die Firma mit Sitz in Möser.

Schon innerhalb des ersten Jahres sei der Prototyp der Schaumkanone marktreif gewesen und konnte potenziellen Kunden vorgestellt werden, gibt der heutige Magdeburger an. „Mit Hilfe eines 3D-Druckers geht das heutzutage relativ schnell“, erklärt er das rasche Voranschreiten der Entwicklung. Allein innerhalb eines Jahres sei es so möglich gewesen knapp 15 verschiedene Varianten des Prototyps zu produzieren.

Intelligent Firefighting Solutions: Präsentationen in ganz Europa

„Nach neun bis zehn Monaten war es dann soweit, dass wir Partnern und Feuerwehren die Kanone vorführen konnten.“ Die weiteren Präsentationen der Entwicklung führten den Maschinenbauer und begeisterten Segelflieger dann durch ganz Europa.

„Ich war dann viel in Deutschland, Italien und Spanien unterwegs und habe das Gerät vorgeführt“, so Friedrichs. Das eingeholte Feedback wurde genutzt, um die Schaumkanone „FoamJet“ zu entwickeln. Diese wird zur Zeit vermarktet und einige der Kanonen seien auch schon erfolgreich ausgeliefert worden, freut sich Friedrichs.

Brandbekämpfung aus Möser

Im Verlauf des Projekts gelang dem Möseraner Unternehmen auch die Kooperation mit zwei Feuerwehren in Sachsen-Anhalt, die an der mobilen Brandbekämpfung interessiert sind. „Zusammen mit ihnen entwickeln wir jetzt eine praxistaugliche Komplettlösung für Pick-up-Fahrzeuge“, verrät Maximilian Friedrichs.

Ziel sei es, nach Abschluss der Tests, das Produkt 2026 in Serie zu fertigen. Dafür befindet sich das Unternehmen gerade in Gesprächen mit potenziellen Investoren.

Exist-Gründerstipendium mit Abschluss an Uni beantragen

Menschen mit spannenden und kreativen Ideen machen sich oft Sorgen darum, wo und wie sie Unterstützung finden können. Es ist ein erklärtes Ziel von Friedrichs, diesen dabei zu helfen. Gerne gibt er Tipps: „ Das Exist-Gründerstipendium kann man einfach bei der nächsten Uni beantragen, dafür braucht es auch nicht unbedingt einen Abschluss. Dort wird man mit Förderprogrammen auch weitergebildet.

Ich zum Beispiel konnte ich mich dort im kaufmännische Bereich intensiv fortbilden, da es zu meinen Aufgaben im Unternehmen gehört, ich aber keine Erfahrung in dem Bereich hatte.“ Es gebe viele Unterstützungsangebote für Existenzgründer in allen Bundesländern, die kostenlos beantragt werden könnten, möchte Friedrichs Mut machen.

Maschinenbau mit Fluidtechnik liegt in der Familie

Eine Grundlage für seine berufliche Entwicklung wurde von Haus aus gelegt. „Meine Eltern sind ebenfalls Maschinenbauer, auch mit Fokus auf Fluidtechnik“, erzählt Friedrichs. Seine Eltern seien ebenfalls in der Firma involviert. Neben seiner Tätigkeit im eigenen Unternehmen ist der 27-jährige auch freiberuflich tätig.

So arbeite er als Ingenieur, unter anderem im Familienunternehmen und als Entwickler eines Sonderspritzkopfes zur Reinigung für eine Feuerwehr in Zeitz. Zudem biete er spezielle 3D-Druckarbeiten für verschiedene Unternehmen an - etwa für ein Kanalreinigungsunternehmen in Magdeburg.

© Fotos: IFP Möser, Henning Paul

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