Harz
Spitzenküche im Harz: Luis Hendricks ist Deutschlands jüngster Zwei-Sterne-Koch
Luis Hendricks

Juliane Graichen, Projektleiterin
Foto: Denny Kleindienst
Er ist der Shootingstar der deutschen Spitzengastronomie: Der 25-jährige Luis Hendricks wurde als jüngster Zwei-Sterne-Koch Deutschlands ausgezeichnet. Serviert wird sein preisgekröntes Essen im Wernigeröder Restaurant „Pietsch“. Wie ihm dieser Erfolg gelungen ist und wie es ist, mit der Lebensgefährtin zusammenzuarbeiten.
Von Sandra Reulecke
Wernigerode - Mit gerade einmal 25 Jahren ist Luis Hendricks etwas gelungen, wovon andere in seiner Branche jahrzehntelang nur träumen: Seine Kochkünste wurden vom Guide Michelin prämiert. Er ist jetzt Deutschlands jüngster Zwei-Sterne-Koch. Am Herd steht er in Wernigerode, in Robin Pietschs Restaurant „Pietsch“.
Und es ist nicht die einzige Auszeichnung, über die er sich freuen darf: Er erhielt den „Young Chef Award“ als bester junger Küchenchef. Ein Erfolg, gesteht er, den er erst noch richtig begreifen muss. Und einer, auf den er seit frühester Jugend hingearbeitet hat: Schon seit erstes Praktikum absolvierte er in einer Sterne-Küche in seiner Heimatstadt Burgwedel in Niedersachsen.
Schülerpraktikum legt Grundstein für Karriere in der Spitzen-Gastronomie
„Das war die Idee meines Vaters. Ich habe immer gern mit meinen Eltern gekocht und er sagte, dass ich es einfach mal probieren soll“, erinnert sich Hendricks. Das tat der damals 14-Jährige nicht per E-Mail oder telefonisch, nein, er hat direkt an der Tür geklopft. Mut, der sich auszahlte. „Ich habe schnell gemerkt, dass das mein Ding ist.“
Das Rüstzeug für seinen Traumberuf lernte er in Hannover. Anschließend wechselte er in ein Sterne-Restaurant am Timmendorfer Strand. „Vom Strand habe ich aber nie viel gesehen“, sagt er augenzwinkernd. 2019 zog es den Koch in den Harz. Damals war Robin Pietsch dabei, sein zweites Restaurant, das „Pietsch“, zu eröffnen. „Ich habe viel von ihm gelernt“, sagt Hendriks. „Aber ich wollte noch mehr sehen, mehr kennenlernen.“
Hendricks ergatterte eine Anstellung als Küchenchef in Hannover. Ein Job, der ihn nicht nur in der Karriere weiterbringen sollte: Er verliebte sich in seine Kollegin Julia Orschiedt. Seit rund vier Jahren sind sie ein Paar - beruflich wie privat. Die 25-Jährige begleitete ihn als Souschefin bei der Rückkehr nach Wernigerode.

Sterne-Koch Robin Pietsch: „Erfolge sind immer eine gemeinsame Leistung“
„Robin und ich blieben immer Kontakt. Als er sagte, dass die Stelle als Küchenchef frei wird, musste ich nicht lange überlegen“, sagt Hendricks. Er schätze den engen Kontakt zu den Gästen, den Zusammenhalt im Team und die Freiheit, sich kreativ einbringen zu können. „Ich bin froh, dass Robin mir so viel Vertrauen entgegenbringt. Das ist mehr als ein klassisches Chef-Angestellten-Verhältnis“, betont er. „Und er kann Erfolge teilen, das ist nicht selbstverständlich.“
Sein Chef Robin Pietsch ist voll des Lobes: „Luis ist ein Ausnahmetalent. Ich bin stolz, so jemanden im Team zu haben – fachlich brillant, menschlich verlässlich“, schwärmt er. „Ein Team ist nichts ohne Chef – aber nun mal auch ein Chef nichts ohne sein Team. Und ich bin auf jeden Einzelnen in unserem Team genauso stolz. Diese Erfolge sind immer eine gemeinsame Leistung.“
Zwei Sterne - auf so einem Niveau zu kochen, erfordere nicht nur Talent, sondern vor allem Disziplin. „Das ist wie Hochleistungssport“, erläutert Luis Hendricks. „Es reicht nicht, einmal abzuliefern. Man muss konstant gute Qualität bringen.“ Zum einen, weil man nie wissen kann, wann ein Testesser von Guide Michelin und Co. vorbeikommt. Zum anderen aus Respekt vor den Gästen. „Die Leute zahlen viel Geld, dann soll es sich auch lohnen.“
Zu teuer? Das entgegenet Luis Hendrike den Klischees über Sterne-Küche
Was keinesfalls bedeute, dass das Klischee von überteuerter Gourmet-Küche zutreffe. „Wir nutzen sehr hochwertige Produkte, die sehr aufwendig zubereitet werden“, erläutert der Koch. Jeder Gang sei eine kreative Leistung. „Wir bieten nicht nur Essen, sondern ein Erlebnis.“ Seine Freundin ergänzt: „Ich vergleiche das gern mit Theater- oder Konzertkarten, die man sich leistet, weil es etwas Besonderes ist.“
Wie ist es, als Paar zusammenzuarbeiten? Anfangs gab es manchmal Reibereien, verrät Julia Orschiedt. „Aber wir haben gelernt, dass wir von unseren unterschiedlichen Ideen und Ansätzen profitieren.“ Und einander gut ergänzen: Während Luis Hendriks am liebsten einen Bogen um alles macht „was klebt und mit Schokolade zu tun hat“, ist sie die Spezialistin für Desserts.
Dieses Gericht landet bei Sterne-Koch Luis Hendriks definitiv nicht auf dem Teller
Auch in der Freizeit des Paar spielt Kulinarik eine große Rolle - ob bei Praktika in anderen Küchen oder auf Reisen. „Wir gehen gern und oft essen.“ Längst nicht nur in Nobelrestaurants. „Wichtig ist nur, dass es schmeckt“, betont Henriks. Grundsätzlich sei er experimentierfreudig. Nur eines darf nicht auf seinem Teller landen: deftige Speisen mit Ananas wie Pizza Hawaii.
© Fotos: Sandra Reulecke, Ben Kruse, Guide Michelin, Pietsch



