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  Landkreis Börde  

Paul Wunsch besitzt eine Villa

Paul Wunsch

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Juliane Graichen, Projektleiterin
Foto: Denny Kleindienst

19-Jähriger saniert in Calvörde ein historisches Gebäude. Der Fahrzeuglackierer erzählt, warum er sich statt eines schnellen Autos ein Haus mit 12 Zimmern und einer Werkstatt gekauft hat.

  Von Anett Roisch  

Calvörde -  In der Objektbeschreibung des Immobilienhändlers steht zum Zustand der Villa an einer Brücke des Mittellandkanals in Calvörde: „Renovierungsbedürftig, bietet jedoch Potenzial für individuelle Gestaltung...“ Paul Wunsch  weiß genau, wie er dieses Potenzial für individuelle Gestaltung nutzen möchte. Der 19-Jährige ist der Besitzer des historischen Gebäudes, das einige Jahre lang unbewohnt war. Die sogenannte Villa „Isermann“, erbaut im Jahr 1930, verfügt über  12 Zimmer und somit über  330 Quadratmeter Wohnfläche. Das Grundstück ist über 1.400 Quadratmeter groß.

Seine Eltern, Manuela Wunsch und Roland Teuchert, sind sichtlich stolz: „Der Paul hat die Villa ganz allein gekauft.“ Und das war keine Kleinigkeit – immerhin wechselte das Haus für einen hohen Betrag den Besitzer. „Der Preis war schon grenzwertig – wenn man bedenkt, was alles noch gemacht werden muss“, sagt Paul Wunsch. „Aber die Lage direkt am Wasser und der Blick – unbezahlbar.“ Für ihn war klar: Miete zahlen kommt nicht infrage. Er wollte ein eigenes Haus. Im Internet stieß er auf die Anzeige – und gleich beim ersten Besuch verliebte er sich in das Anwesen.

Als Kind handwerklich begabt

„Neu bauen kann jeder“, meint der junge Eigentümer mit einem Lächeln. „Aber alte Häuser haben Charakter – dicke Mauern, echte Geschichten.“

Ursprünglich stammt seine Familie aus Uthmöden. Schon als Kind wurde Paul von seinen Eltern handwerklich gefördert. Ob Autos, Mopeds oder Bauprojekte – Paul weiß, wie er mit Werkzeug umgehen muss. „Ich hätte mir auch ein teures schnelles Auto kaufen können, aber ich wollte etwas Dauerhaftes. Die Villa ist eine Investition in meine Zukunft.“

Statt Luxuskarosse fährt er nun einen alten Mercedes – den er natürlich selbst in Schuss gebracht  hat. Und während andere Gleichaltrige von Eigentum vielleicht nur träumen, lebt Paul Wunsch seinen Traum.

„Wir sind nun dabei, viel Kraft, Energie und Geld in die Villa zu stecken, um das Objekt wieder mit Leben zu erfüllen“, beschreibt Manuela Wunsch.  „Ich mag historische Gebäude, die haben noch richtige dicke Wände“, schildert der junge Mann.

Die Familie hat das Domizil bereits bezogen: Die Eltern wohnen im Erdgeschoss, Paul hat sich im ersten Stock eingerichtet. Das Dachgeschoss soll zur Gästewohnung ausgebaut werden. Und sie sind nicht allein – mit ihnen lebt Hündin Cherry, die der Hausbesitzer im letzten Jahr aus dem Tierschutz adoptiert hat.

Platz für eigene Werkstatt

Die Geschichte der Villa ist ebenso spannend wie die Pläne des neuern Besitzers: Der vorherige Eigentümer war Wolfgang Isermann. Er soll hier bis zu seinem Tod gelebt haben – und betrieb nebenan eine Konservenfabrik. Später wohnten die Lehrer Bodo Kretschel und Rudolf Rumler mit ihren Familien im Haus. 

Auf dem Grundstück befand sich auch einmal eine Lackiererei. „Hinter dem Haus steht noch die Halle der alten Fabrik“, erzählt Paul Wunsch. Der gelernte Fahrzeuglackierer kann sich gut vorstellen, dort eine eigene Werkstatt einzurichten. Und dann wäre da noch das Storchenpaar, das sich – fast zeitgleich mit dem Einzug der Familie – auf dem alten Schornstein der einstigen Konservenfabrik eingenistet hat. „Die waren letztes Jahr zum ersten Mal da“, erzählen Mutter und Sohn begeistert. „Jetzt haben wir nicht nur eine Villa, sondern auch unsere ganz persönlichen Glücksbringer auf dem Schornstein.“

Die Villa wird wieder zum Leben erweckt – mit viel Herzblut, Tatkraft und Vision. Und es ist klar: Diese Geschichte hat gerade erst begonnen.

© Fotos: Anett Roisch

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