Jerichower Land
Statt Tiermedizinstudium Ausbildung
Jasmina Neumann
Jung, weiblich und ambitioniert: Wie eine junge Frau als Landwirtin durchstartet. Jasmina Neumann ist 27 Jahre alt und sie will etwas bewegen - in der Landwirtschaft. Dafür brach sie ihr Tiermedizinstudium ab, wurde Landwirtin und will nun noch mehr. Sie will was bewegen. Will, die Zukunft der Landwirtschaft mitgestalten.

Von Arlette Krickau
Burg/Stresow - Sie fällt in jedem Fall auf: Jasmina Neumann ist weiblich, 27 Jahre alt und arbeitet auf einem Hof in der Landwirtschaft. „Ich freue mich über jede Frau, die sich auch traut“, sagt sie gleich am Anfang des Gespräches und unterstreicht die Aussage mit einem verschmitzten Lächeln.
Denn männerdominiert ist dieses Arbeitsfeld noch immer. „Obwohl ich nach vier Jahren hier auf dem Hof in Stresow das Gefühl habe, dass wir einfach alle ein Team sind.“ Die Geschlechterfrage sei hier kein Thema mehr. Im Gegenteil: Die meisten würden sich über mehr Frauen in der Landwirtschaft freuen.
Bei der Berufswahl war es eher die Liebe auf den zweiten Blick
Zugegebenermaßen war es auch nicht Jasmina Neumanns erster Impuls als Landwirtin auf einem Hof zu arbeiten. „Ich habe angefangen Tiermedizin zu studieren“, erzählt sie. Beim Studium war sie dann während einer studentischen Tätigkeit bei der Klinik für Kleintiere auf vielen Höfen unterwegs. „Da habe ich gemerkt, dass man vor Ort viel mehr für die Tiere machen kann - vor allem durch Prophylaxe“, erzählt sie über ihre Entscheidung, das Studium abzubrechen und eine Ausbildung als Landwirtin zu beginnen, um direkt vor Ort, die Bedingungen für die Tiere zu verbessern. 2023 schloss sie diese als Landesbeste ab. Auf Bundesebene erreichte sie im Berufswettbewerb der Grünen Berufe Platz 3.
Jetzt arbeitet sie in Stresow - da, wo sie gelernt hat. „Am Ende der Ausbildung war mir klar, dass ich am liebsten hier bleiben würde - und in Stresow wollte man mich auch“, erzählt sie, wie es für sie weiter ging- und auch weiter gehen wird. Denn hier fühlt sie sich am richtigen Platz.
Sie ist in allen Bereichen tätig - sei es bei den Tieren, bei den Pflanzen oder natürlich auch bei der Ernte helfen. „Kein Tag ist wie der andere. Ich liebe Herausforderungen und die ergeben sich hier jeden Tag“, nennt sie einen weiteren Punkt, den sie an ihrem Beruf so mag. Die Tage sind manchmal lang, aber auch das sei ok.

Ist Schweinemast ein kritisches Thema?
Tiere sind das Steckenpferd von Jasmina Neumann. Auf Arbeit ist es der Bereich, in dem sie am meisten engagiert ist, aber auch privat ist sie von Tieren umgeben: zwei Pferde, Schafe, Gänse, Hühner und manchmal auch der Schäferhund ihrer Eltern gehören zu ihrem Alltag.
Tierzucht ist in Streswo ein großes Thema. Sieht sie die Schweinemast im Betrieb kritisch? „Wir werden die Tierhaltung immer brauchen, denn der Platz für Felder ist begrenzt. Deshalb werden sich nie alle nur vegan ernähren können“, beginnt sie ihre Argumentation. Der Mensch brauche Schweine also als Nutztiere. „Dann sollte man es den Schweinen aber auch nicht schwer machen. Sie haben einen vorgeschriebenen Weg, aber der sollte angenehm sein“, ist sie der Auffassung. „Ich bin nicht Landwirtin geworden, um Tierquälerin oder Klimaschädigerin zu sein“, stellt sie klar. Und genau diese Auffassung treffe auf 99,9 Prozent ihrer Kollegen zu, weiß sie.
Um ihren Weg mit ihren Ideen wirklich weiter gehen zu können, hat sie jetzt ein berufsbegleitendes Studium zur Agrarmanagerin in Bernburg begonnen. Auch den Master noch drauf zu setzen, schließt sie nicht aus. „Ich arbeite gerne hier, möchte hier noch viel mitbewegen“, verrät sie.
Mehr Verantwortung bei der Tierzucht übernehmen
Dabei will sie vor allem noch von ihrem Chef lernen, „der 20 Jahre voraus denkt. Das Mindset will ich auch mitnehmen“. Dazu gehört auch, mehr Verantwortung zu übernehmen - das steht durchaus schon für sie in Stresow auf dem Plan - und sie fühlt sich bereit dafür. Im Bereich der Tierzucht - ihrem Lieblingsbereich - soll sie sich mehr der Sache annehmen.

Mehr als Trecker fahren und Tiere füttern
Bis sie ihre Ausbildung vollends beendet hat, versucht sie noch berufsbegleitend, den Beruf des Landwirtes in die Welt zu tragen und seine Vorteile zu zeigen. Deshalb engagiert sie sich in der Landjugend. „Ich möchte zeigen, dass es ein Beruf mit Zukunft ist und dass es mehr ist als Tiere füttern und Trecker fahren - obwohl das natürlich auch Spaß macht. Aber es gibt noch so viel mehr, was einen hier jeden Tag begeistert und was uns vor allem auch weiterbringt“, wirbt sie für ihren Beruf. Man merkt, dass sie Landwirtin durch und durch ist, für die Sache brennt - eine junge Frau, die etwas bewegen will.
© Fotos: Arlette Krickau, Marie Saudhof, Carina Gräschke/BDL




