Mansfeld-Südharz
Nele liest sich ins Bundesfinale
Nele
Von der Hängematte ins Rampenlicht: Die 12-jährige Nele aus Wallhausen vertritt Sachsen-Anhalt beim Vorlesewettbewerb in Berlin. Und zeigt, wie spannend Bücher sein können.

Von Anne Holzki
Wallhausen/MZ. Wenn die Stimme zittert, das Herz schneller schlägt und Kameras mitlaufen, braucht es Mut – oder einfach Leidenschaft fürs Vorlesen. Die 13-jährige Nele Müller aus Wallhausen hat beides bewiesen: Als Siegerin des Landesentscheids Sachsen-Anhalt durfte sie im Juni ihr Bundesland beim großen Bundesfinale in Berlin vertreten. Begleitet von ihrer Mutter reiste sie dann für drei Tage in die Hauptstadt – gemeinsam mit 15 anderen Landessiegern.
Unterstützung von Lesepaten
Ein Erlebnis, das sie nie vergessen wird. „Ich war richtig aufgeregt“, erzählt Nele. „In einer Jugendherberge mit lauter fremden Kindern – aber die waren alle total nett.“ Besonders freut sie sich über eine neue Freundschaft: „Ich habe mich gleich mit Ayla aus Berlin angefreundet, die dann am Ende gewonnen hat. Wir waren sogar im gleichen Zimmer“, berichtet das junge Lesetalent. In Berlin las Nele nicht – wie zuvor im Wettbewerb – aus einem selbstgewählten Lieblingsbuch. Stattdessen bekam sie ein Buch zugelost, das sie noch nicht kannte: „The House Trap“ von Emma Read, ein spannender Jugendthriller. „Da ging es um ein Haus im Wald, in dem Kinder Rätsel lösen mussten, um wieder rauszukommen – so eine Art Escape Room. Ich musste mir dann innerhalb eines Tages eine passende Textstelle aussuchen“, erklärt sie.
Dabei halfen sogenannte Lesepaten – Betreuer, die alle Bücher auf der Liste kannten und Tipps gaben. Ihre Textstelle präsentierte Nele schließlich vor einem kleinen Live-Publikum im Fernsehstudio des RBB, während gleichzeitig Klassen aus ganz Deutschland per Livestream zugeschaltet wurden – auch ihre eigene Klasse. „Die haben Schilder gebastelt, wo ‚Team Nele‘ draufstand“, erinnert sie sich.
Für das Bundesfinale hatte sie sogar einen kleinen Glücksbringer dabei – ein Kleeblatt-Anhänger, den ihr ihre beste Freundin geschenkt hat. Und obwohl sie nicht den ersten Platz belegte, war das Erlebnis ein voller Erfolg: Ich war kurz traurig, aber ich habe mich auch für Ayla gefreut – sie war wirklich gut. Und ich war einfach froh, dabei gewesen zu sein“, sagt Nele. Dann kam der Hunger zurück. „Vorher konnte ich nichts essen, vor Aufregung. Also sind Mama und ich danach erstmal was Leckeres essen gegangen.“ Und ob vor großem Publikum oder im Klassenraum – Nele liebt es, anderen vorzulesen. „Ich will, dass die Leute in die Geschichte eintauchen können. Deswegen versuche ich immer, so betont wie möglich zu lesen“, sagt sie.

Nele Müller aus Wallhausen hat beim Vorlesewettbewerb in Sachsen-Anhalt gut abgeschnitten. Sie ist am Gymnasium Geschwister Scholl in Sangerhausen.
Entspannt in der Hängematte
Die Landessiegerin liest aber auch gerne mal nur für sich. „Am liebsten draußen in meiner Hängematte, wenn das Wetter schön ist. Und wenn es regnet, mit heißer Schokolade im Bett.“ Dabei greift sie meistens zu Krimis und Thrillern, etwa von der niederländischen Autorin Mel Wallis de Vries. „Ich mag es, mit zu rätseln“, sagt Nele. Wenn das Buch spannend ist, liest sie es manchmal an einem Tag durch. Dann merkt die junge Schülerin gar nicht, wie die Zeit vergeht. „Ich lese aber kein Buch zweimal – es gibt einfach zu viele spannende Geschichten“, sagt sie.
Mutter Sophie Müller ergänzt: „Ich finde es schön, dass Lesen bei ihr nichts Strebermäßiges ist. Sie liest, aber sie ist nie nur zu Hause – sie ist immer unterwegs, mit Freunden. Das finde ich wichtig“, sagt sie. Denn trotz ihrer Leseliebe ist Nele alles andere als eine Stubenhockerin. Sie geht schwimmen, spielt Volleyball, tanzt Garde im Wallhäuser Karneval-Club – und steht mit Freundin Johanna regelmäßig für Sketche auf der Bühne.
Eigens Buch bereits angefangen
Und wie geht es jetzt weiter? „Ich will erstmal weiterlesen – vor allem die neuen Bücher von Mel Wallis de Vries.“ Und sie wolle so oft wie möglich üben, vorzulesen, um für künftige Wettbewerbe gewappnet zu sein. Doch Nele will nicht nur lesen – sie schreibt auch selbst. „Ich hab schon mal mit einem eigenen Buch angefangen – eigentlich ein Roman, aber vielleicht mach ich jetzt einen Krimi draus.“ Später könnte sie sich gut vorstellen, im journalistischen Bereich zu arbeiten. Mutter Sophie Müller unterstützt sie dabei: „Sie schreibt schon wie eine Erwachsene. Und das Wichtigste: Sie macht das alles mit Freude.“
© Fotos: Jürgen Lukaschek



