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  Landkreis Börde  

Gesundes Gemüse vom Straßenrand

Theo Wilke

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Juliane Graichen, Projektleiterin
Foto: Denny Kleindienst

In Farsleben hat vor einem Jahr Nachwuchsbauer Theo Wilke eine besondere Verkaufsidee umgesetzt. Das 14-jährige junge Talent verkauft dort selbstangebautes Gemüse. Bezahlt wird an seinem Stand über eine Kasse des Vertrauens.

  Von Kristina Reiher  

Regionale Lebensmittel sind schon lange im Trend. Oft werden diese – wie auch in Wolmirstedt – in Hofläden oder sogar in den Supermärkten angeboten. Gerade für Senioren ist der weite Weg ein Dorf weiter oft eine nur schwer zu bewältigende Strecke. In Farsleben brauchen Gemüsefans nur noch die Hauptstraße entlangzulaufen. Denn hier bietet Nachwuchs-Landwirt Theo Wilke seit kurzem sein selbst angebautes Gemüse an.

Und das wird ihm fast aus den Händen gerissen. „Ich fülle das jeden Tag auf. Der Stand hat sich schon herumgesprochen“, erklärt der 14-Jährige. Vor allem die Senioren im Ort zeigen sich begeistert. „Das ist eine ganz tolle Sache – es gibt eine große Auswahl und ich komme da noch zu Fuß hin“, sagt Anneliese Seiffert, die nur ein paar Häuser weiter wohnt.

Frisches Gemüse direkt vor der Haustür

Neben Gemüse aus dem eigenen Garten bietet der Farsleber unter anderem auch Honig und Wachteleier vom Nachbarn an. Besonders beliebt sind aber die Mohrrüben und die Kartoffeln. Ein Farsleber packt sich gleich zwei Säcke in den Kofferraum. „Die sind regional, regionaler geht es nicht, schmecken besser als die gekauften und sind auch noch günstiger als im Supermarkt. Wo gibt es denn sowas noch?“, fragt der kürzlich nach Farsleben gezogene René Menzel.

„An der Ostsee“, ist die Antwort von Theos Papa Matthias. Denn auf dem Weg zum Meer haben sie zahlreiche solcher Stände entdeckt. Vor vier Wochen haben sie den Verkaufsgedanken nun auch hier umgesetzt. „Das war allein Theos Idee, die Farsleber mit Gemüse zu versorgen, er ist damit voll in seinem Element“, verrät sein Papa. Hilfe bekommt er von seiner Familie bei seiner Idee dennoch. Den Stand auf dem eigenen Grundstück haben Theo und sein Papa zusammengebaut.

Der große Traum vom Landwirt

Denn der Teenager möchte später einmal Landwirt werden. „Das war schon immer mein großer Traum“, sagt Theo. Wo andere von Feuerwehr- und Polizeiuniform träumen, zog es Theo schon als Kleinkind auf den Acker und den Traktor. In seiner Freizeit hilft er beim Landwirt André Schmidt in Mose aus. Auch der stellt einen Teil seines Gemüses für den Stand zur Verfügung, um die große Nachfrage zu bedienen.

Theo Wilke ist begeisterter Junior-Landwirt. Um den Massen seines selbst angebauten Gemüses Herr zu werden, hat er nun einen Stand in Wolmirstedt im Ortsteil Farsleben eingerichtet. Überhaupt werden die Selbstbedienungsstände auf Vertrauensbasis in Wolmirstedt immer beliebter.

Anneliese Seiffert wohnt in der Nähe und kauft immer bei Theo Wilke ein.

Dass ihm das Gemüseanbauen, Pflanzenziehen und Ackerbewirtschaften liegt, hat er schon früh festgestellt. Dank seines Opas. „Hätte ich meinen Opa nicht, würde ich das alles auch gar nicht allein schaffen.“ Aber auch für große Fahrzeuge und Traktoren hab er sich schon früh begeistert, weiß sein Papa.

Kasse des Vertrauens und lange Arbeitstage

Einen großen Teil seiner Freizeit verbringt Theo inzwischen in seinen beiden Gärten, die er vor drei Jahren zusammen mit seinem Opa gepachtet hat. Während andere Teenager, vor allem am Wochenende noch schlafen, ist Theo längst auf den Beinen. Ab 7 Uhr ist sein Stand aufgefüllt, die Klappe auf. Dann geht es weiter in den Garten. Auch nach der Schule arbeitet er in seinem Gartenreich und fährt dort sogar seinen eigenen kleinen Traktor. Seine Arbeit präsentiert er aber nicht nur am eigenen Gemüsestand. Ebenso ist er beim großen Erntedankfestumzug in Glindenberg bei Wolmirstedt – wie sich das für einen Landwirt gehört – mit dabei.

„Ich bin jeden Tag auf dem Feld im Garten“, sagt der Nachwuchsbauer. „Da baue ich alles selbst an – von Kartoffeln über Zwiebeln bis Zucchini.“ Um alles allein zu verarbeiten, waren die geernteten Massen inzwischen einfach zu viel – daher die Idee mit dem Gemüseverkaufsangebot. Bezahlt wird über eine Kasse des Vertrauens. Die Preise sind ausgeschildert. Funktioniert das? „Im Grunde schon, manchmal ist mehr, manchmal zu wenig drin“, sagt Matthias Wilke. Finanziert wird damit Theos Gemüseanbau im nächsten Jahr. Weil die Anwohner das wüssten, werde ehrlich mit der Kasse umgegangen.

Und auch nach der Gartenarbeit und den Hausaufgaben hat Theo seinen Kopf in der Landwirtschaft. Übt er tagsüber mit seinem kleinen Traktor auf dem Feld, zockt der Nachwuchslandwirt zur Entspannung abends statt Autorennen und Egoshooter-Spiele gern mal auf seinem Traktor-Simulator. „Übung macht schließlich den Meister.“

© Fotos: Kristina Reiher

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