Anhalt Dessau
Mit Helm und Herz
Leoni Amler
Leoni Amler lebt für die Feuerwehr – ob als stellvertretende Jugendwartin bei der Feuerwehr in Köthen oder als Studentin für Sicherheit und Gefahrenabwehr in Magdeburg.

Von Livia Müller
Wenn es brennt, bleibt keine Zeit für lange Überlegungen. Es zählt jede Sekunde. Doch in Leoni Amlers Alltag geht es oft um das genaue Gegenteil: vorausschauendes Denken, komplexe Planung und manchmal kreative Umwege. Die 25-Jährige ist stellvertretende Jugendfeuerwehrwartin in Köthen. Parallel studiert sie „Sicherheit und Gefahrenabwehr“ in Magdeburg und pendelt regelmäßig zwischen Theorie und Praxis, Hörsaal und Feuerwehralltag.
Geboren und aufgewachsen ist sie in Weißandt-Gölzau. Ihr Weg zur Feuerwehr wurde Leoni Amler in die Wiege gelegt: Ihr Vater war Stadtwehrleiter der Stadt Südliches Anhalt. Mit zehn Jahren trat sie in die Feuerwehr ein – heute blickt sie auf 15 Jahre Erfahrung zurück. Trotz eines Umzugs nach Köthen fand sie schnell Anschluss an die Kameradschaft und rückte in die Leitung der Jugendfeuerwehr nach. Ihr erster Einsatz mit 18 Jahren blieb ihr besonders im Gedächtnis: „Das war ein gewaltiger Feldbrand in Gölzau an einer Kiesgrube. Das Feuer ist vorbeigeschlichen und war plötzlich hinter uns.“ Sie mussten wassersparend arbeiten und es hatte Stunden gedauert, doch für Amler war es „ein sehr erfüllendes Gefühl“, sagt sie weiter.
Ausbildung neuer Mitglieder
Zusammen mit dem Köthener Jugendwart Enrico Gode betreut sie den Nachwuchs, trainiert Teams und organisiert Wettkämpfe. Zuletzt organisierten sie das Berufsfeuerwehrwochenende in Köthen. Gemeinsam ließen sich Amler und Gode für die Jugendlichen einiges einfallen – von einem Garagenbrand bis zu lebensechten Übungspuppen, die wie Verletzte versorgt werden mussten. Sie planen solche Einsätze nicht nur um die jungen Leute zu trainieren und zu betreuen, sondern auch um einfach Spaß zu haben. „Manchmal ist man eben auch für die Seelsorge da“, sagt Amler mit einem Lächeln.
Neben der Ausbildung junger Mitglieder war die Studentin auch Mitinitiatorin des Vereins „Zukunftsflamme“. Dieser organisiert Ausflüge, Wettkämpfe und sorgt sogar für neue Ausrüstung – neuerdings mit Unterstützung von Sponsoren.
Trotz ihres Studiums in Magdeburg pendelt sie regelmäßig nach Köthen. Jeden zweiten Freitag steht der Dienst an, und sonntags trainiert sie mit jungen Feuerwehrsportlern und -sportlerinnen für anstehende Wettkämpfe. „Löschangriff Nass“ ist eine rasante Disziplin, bei der Teamgeist, Technikverständnis und Schnelligkeit gefragt sind. Behälter sollen in kurzer Zeit mit Wasser gefüllt werden. Im nächsten Jahr stehen mehrere Wettbewerbe an – darunter auch auf der Insel Poel mit rund 150 teilnehmenden Mannschaften. Das nötige Equipment, darunter eine alte DDR-Pumpe, hat ihr Wettkampfkollege Fabian Radtke auf Vordermann gebracht.

Leoni Amler in Action
Lieblingsfach vorbeugender baulicher Brandschutz
Auch ihr Studiengang „Sicherheit und Gefahrenabwehr“ ist ebenso besonders. Das noch recht junge Studium, welches es erst seit den frühen 2000er-Jahren gibt, bereitet auf Aufgaben in der öffentlichen Sicherheit und im technischen Brandschutz vor. Ihr Lieblingsfach ist der vorbeugende bauliche Brandschutz, also die Neu- und Umplanung von Gebäuden. Es geht dabei um die richtige Platzierung von Sprinkleranlagen, die Planung von Fluchtwegen und den Einbau von Rauchabzügen – individuell für jedes Gebäude. Besonders spannend wird es, wenn sich Denkmalschutz und Brandschutz in die Quere kommen. Da man an denkmalgeschützten Gebäuden baulich nichts verändern darf, gilt es „eine Lösung zu finden, die um die Ecke geht“, sagt die Studentin. So werden bei zu kurzen Fluchtwegen „Brandfluchthauben“ eingesetzt, welche im Notfall Atemschutz bieten.
Neben dem Studium arbeitet sie zudem als Werkstudentin im Bereich Brandschutz in der Helios Klinik Köthen und kann ihr erlerntes Wissen direkt anwenden. „Ich bilde Brandschutzhelfer aus, erkläre den Brandnotfall, eine Evakuierung und auch den Umgang mit Feuerlöschern“, beschreibt Amler ihren Job. „Natürlich ist es anstrengend: Feuerwehr, Studium, Arbeit und Privatleben – aber es macht mir einfach Spaß“, sagt sie.
Warum Leoni Amler der Feuerwehr treu bleibt? Vor allem wegen der Kameradschaft: „Du hast immer irgendwen, den du Ansprechen kannst“, betont sie. „Wenn du was brauchst, fragt keiner warum, sondern nur: ja, wann?“. Für die 25-Jährige ist die Feuerwehr mehr als nur ein Ehrenamt.
© Fotos: Livia Müller, Sandra König


