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  Halle  

Kosmetik in Halle

Ilona Haniseuskaya

Mit nur 18 gründete eine Hallenserin ihr eigenes Kosmetikunternehmen, heute führt sie am Marktplatz die erfolgreiche „Glow Beautybar“. Die 24-jährige Makeup-Artistin erzählt, wie hart die Branche in Halle ist und was sie jungen Gründerinnen rät.

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  Von Hanna Schabacker  

Halle (Saale)/MZ.

Hell erleuchtet liegt das Studio unter den dunklen Holzbalken im Dachgeschoss am Marktplatz 23. Der Empfangsbereich wirkt modern und hochwertig, zugleich bleibt es gemütlich.

Start während Corona und Lockdown

Immer wieder öffnen sich Türen, Kundinnen kommen aus den Behandlungsräumen, manche nehmen noch Pflegeprodukte mit. Wer hier sitzt, bekommt auch mal einen Matcha Latte serviert – kleine Details, die zur Wohlfühlatmosphäre beitragen sollen.

Für Ilona Haniseuskaya war dieser Ort lange nur ein Ziel. Mit 18 gründete sie ihr eigenes Unternehmen, ein Jahr später eröffnete sie ihr erstes Studio. Dann kam Corona. Die Türen blieben vorerst geschlossen. Eine Bewährungsprobe, die sie nicht vom Kurs abbrachte. „Mein Worst Case war immer: Es klappt nicht. Dann mache ich eben was anderes“, sagt die 24-Jährige rückblickend.

„Meine Freunde nennen mich Duracelhäschen“

Schon mit der Entscheidung, das Gymnasium nach der elften Klasse zu verlassen, stellte sie die Weichen. Statt Abitur wählte sie eine Ausbildung zur Kosmetikerin und arbeitete parallel bereits fast Vollzeit. „Von 7.30 bis 14 Uhr Schule, danach direkt ins Studio. Vier, fünf Kundinnen am Nachmittag, teilweise bis abends um neun. Ferien bedeuteten oft zwölf Stunden täglich.“

Während andere ihre Zwanziger in Bars verbrachten, sammelte sie Berufserfahrung. „Ich hatte nicht die Anfang-20er wie andere. Aber ich wollte immer mein eigenes Geld verdienen. Und das schon früh.“

Disziplin war da längst kein Fremdwort. Schon mit 15 jobbte sie nach der Schule im Fitnessstudio, engagierte sich in der jüdischen Gemeinde, stand als Eiskunstläuferin auf Wettkampfniveau im Training. „Meine Freunde nennen mich Duracelhäschen. Ich kann einfach nicht stillsitzen.“

Ilona Haniseuskaya, Kosmetik Glow Beautybar

Die junge Unternehmerin setzt auf Qualität für die Hallenser

Heute führt die staatlich geprüfte Kosmetikerin ein Studio mit sechs Mitarbeiterinnen. Permanent Make-up, Hydrafacials mit Originalgerät aus den USA, Laser-Haarentfernung – das Angebot ist breit und bewusst hochwertig angesetzt. „Wir setzen auf Qualität. Stabilität in den Behandlungen, aber keine altbackene Qualität.“

Doch Erfolg zieht auch Schatten nach sich. „Neid ist etwas ganz Böses. In der Kosmetikbranche unterstützt sich hier in Halle niemand. Zwei Studios haben mich auf Instagram blockiert, warum weiß ich nicht.“ Für Haniseuskaya unverständlich: „Ich sage immer: Für jeden Kunden gibt es den passenden Dienstleister. Aber diesen Gedanken teilen viele nicht.“

Die Hallenserin musste sich vieles selbst aneignen: Schichtpläne, Kalkulationen, Verträge. „Mir hat keiner erklärt, wie man Schichtpläne schreibt. Learning by Doing.“ Heute investiert sie gezielt in Coachings, um auch als Führungskraft zu wachsen. „Delegieren musste ich erst lernen. Aber wenn ich meine Mädels nach Feierabend noch im Studio sehe, dann schmeiße ich sie auch mal raus.“

„Es gibt immer noch Momente, in denen ich alles hinschmeißen will“

Bei Bewerbungen verlässt sie sich auf ihr Gespür. „Ausstrahlung ist mir wichtiger als Noten. Wer zuerst nach dem Gehalt fragt, hat nicht genug Liebe zum Beruf.“ So diszipliniert die Makeup-Artistin arbeitet, so offen spricht sie über Zweifel. „Es gibt immer noch Momente, in denen ich alles hinschmeißen will. Der Druck, immer alle zufriedenzustellen, ist groß.“

Ihr Umgang mit Problemen: Abstand gewinnen, die Vogelperspektive einnehmen, auch mal ein Glas Wein in die Hand nehmen. „Man muss Mensch bleiben. Wenn ich das nicht mehr bin, hätte ich weder Kunden noch Mitarbeiter.“

Bis zu 130 Wochenstunden

Haniseuskaya hat für ihren Erfolg viel investiert. Teilweise hat sie zwischen 120 und 130 Stunden die Woche gearbeitet. An sieben Tagen. 30.000 Euro steckte sie bislang in Weiterbildungen.

„Andere kaufen Taschen, ich investiere in meine Bildung.“ Auf die Frage, ob sie jemandem ihren Job weiterempfehlen würde, sagt sie: „Ehrlich - nein.“

In Halle ist das Herzstück

Warum Halle? „Ich wollte nicht eine von vielen sein wie in Berlin. Hier bin ich vielleicht eine von zehn.“ Die Stadt sei ein guter Nährboden, auch wenn sich manches erst entwickle. „Das Denken im Osten verändert sich langsam. Social Media hilft, Vorurteile und Ängste abzubauen. Auch Halle darf gern mutiger werden.“

Langfristig will sie weniger selbst im Studio stehen, vielleicht auch mobil arbeiten. Doch der Marktplatz bleibt ihr „Herzstück“. „Auch hier kann man glücklich werden. Halle ist eine wunderschöne Stadt.“ Und wer Ilona Haniseuskaya erlebt, merkt schnell: Das nächste Projekt ist sicher schon in Planung. Stillstand passt nicht zu einem Duracelhäschen.

© Fotos: Glow Beautybar

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