Salzlandkreis
Die Botschafterin
Rabia Lore Ekim
Die Ascherslebenerin Rabia Lore Ekim engagiert sich seit Jahren für Erinnerungskultur, Zivilcourage und kulturelle Bildung.

Von Katrin Wurm
Aschersleben/MZ. Die heute 19-jährige Rabia Lore Ekim gehört zu den jungen Menschen in Aschersleben, die über Jahre hinweg gezeigt haben, wie viel Wirkung persönliches Engagement entfalten kann. Ihre Arbeit begann bereits früh am Gymnasium Stephaneum, wo sie sich intensiv mit der Geschichte Anne Franks beschäftigte. „Anne Frank und ihr Leben haben mich gefesselt“, sagte sie rückblickend. Aus einem Schulprojekt heraus blieb sie „thematisch dran“, suchte nach weiteren Möglichkeiten, sich zu vertiefen, und stellte sich schließlich beim Anne Frank Zentrum Berlin der Ausbildung zur Botschafterin. „Ich habe mich immer gefragt, was ich noch dazu lernen kann“, beschreibt sie ihren Antrieb.
Als Botschafterin führte sie gemeinsam mit ihrer Teamkollegin Workshops und Unterrichtsstunden durch, in denen sie Schülerinnen und Schülern die Geschichte Anne Franks, jüdisches Leben und die Folgen von Hass und Diskriminierung näherbrachten. Hinzu kamen Stolperstein- und Stadtführungen, die jungen Menschen vermitteln sollten, wie Erinnerungskultur im eigenen Umfeld sichtbar wird.
Im Frühjahr 2023 wurde dieses Engagement erstmals öffentlich gewürdigt. Ihre Mutter hatte sie für den Friedensengel der Stiftung Evangelische Jugendhilfe vorgeschlagen – eine Nachricht, die Rabia überraschte: „Das war schon eine ganz schöne Überraschung.“ Während der Preisverleihung in Bernburg erhielt sie schließlich die Auszeichnung als „unbekannter Friedensengel“.
Ein Jahr später, im Dezember 2024, rückte ihr Wirken bundesweit in den Blickpunkt. Gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin Alina Hinz war Rabia zur ZDF-Spendengala „Ein Herz für Kinder“ eingeladen, um über ihre Projekte zu berichten. Doch es kam anders als erwartet: Die beiden erhielten überraschend den Sonderpreis „Ehrenherz“. „Da waren wir ganz überrascht“, sagte Rabia über den Moment der Auszeichnung. Kurz zuvor hatte sie eine der prägendsten Begegnungen ihres Engagements erlebt: den Besuch bei der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer in Berlin. Die Gespräche, bei denen auch alte Familienfotos betrachtet wurden, hinterließen bei Rabia und Alina einen tiefen Eindruck. Später trafen sie Friedländer erneut bei der Gala und wurden zusätzlich von Außenministerin Annalena Baerbock gewürdigt, die ihnen in ihrer Laudatio Mut zusprach.

Alina Hinz (l.) Rabia Lore Ekim (r.) Treffen Margot Friedländer im Rahmen der ZDF-Sendung "Herz für Kinder",
Rabia Lore Ekim (3. von links) nahm von Radiomoderatorin Freddy Holzapfel (von links), Stiftungsvorsitzendem Klaus Roth und MZ-Chefredakteur Marc Rath den Preis als "unbekannter Friedensengel" 2023 entgegen,
Alina Hinz (l.) und Rabia Lore Ekim (r.) in der ZDF-Sendung "Herz für Kinder"
Am Ufer der Saale
Über Bekanntschaften aus der Kindheit erinnert sich Evelyn schließlich an das Bootshaus, ein Restaurant in Weißenfels, direkt am Ufer der Saale gelegen. Der Ehrgeiz ist also geweckt. Die damals 22-Jährige arbeitet ein Konzept aus, wie solch eine Party im Bootshaus aussehen könnte, und stellt es schließlich im Mai 2025 den Bootshaus-Besitzern Maurice und Katrin Tober vor. „Eigentlich waren die beiden von der ersten Sekunde an sofort begeistert“, erinnert sich Evelyn. Und nur etwas mehr als einen Monat später, im Juli 2025, findet schließlich die erste After-Work-Party im Weißenfelser Bootshaus statt.
Ein Raum für Jung und Alt
Die Idee hinter diesen Partys war für Evelyn von Anfang an klar: „Wir haben Lust, etwas in Weißenfels zu tun und hier etwas für die jungen Leute zu schaffen“, sagt die 23-Jährige, „aber auch einen Raum, wo man Jung und Alt ein bisschen zusammenbringen kann.“ Bei der ersten After-Work-Party klappt das jedoch noch nicht so ganz. Da liegt der Altersdurchschnitt zunächst noch bei um die 40 Jahre. „Man muss sich am Anfang erstmal ein bisschen ausprobieren und sehen, was die Leute annehmen“, sagt Evelyn. Doch die Veranstaltung scheint sich in Weißenfels rumzusprechen, auch bei den jüngeren Leuten. Denn schon zur zweiten Veranstaltung, dieses mal unter dem Motto „All-White“, ist deutlich mehr los. „Die All-White-Party war bomben-voll“, erinnert sich Evelyn, „Wir waren komplett ausverkauft. Es waren 32 Grad, es war wunderschönes Wetter, es war ein wunderschöner Sonnenuntergang“, schwärmt die 23-Jährige.
Danach ist für alle Beteiligten schnell klar, dass die Veranstaltungsreihe fortgesetzt werden soll. Und so finden nun seither jeden zweiten Donnerstag im Monat After-Work-Partys im Bootshaus statt. Unter wechselnden Mottos mit verschiedenen DJs aus Leipzig und der Region. Jedes Mal gibt es neue Aktionen und wechselnde Specials. Das Bootshaus stellt Personal, Küche und Location, während sich Evelyn gemeinsam mit einem Freund um die Organisation und das Marketing der Partys kümmert.
„Die After-Work-Partys sind schon sehr zeitintensiv“, sagt Evelyn, die mittlerweile von allen Seiten Zuspruch für ihre Partys erhält. Noch in diesem Jahr möchte sie deshalb wieder Vollzeit in die Veranstaltungsbranche einsteigen. Ihr Wunsch für die Zukunft ist es, in Weißenfels auch mal etwas Größeres auf die Beine zu stellen. „Ich hätte Lust, eine Wiese an der Saale zu finden für eine großen Bühne und dann ein Open Air für um die 600 bis 700 Leute zu machen“, erzählt Evelyn. „Das wäre schon ein kleines Träumchen für mich“.
© Fotos: Frank Gehrmann, Torsten Adam, Hinz



