Mansfeld-Südharz
Und Action! Mia startet durch
Mia Stieber
Mia Stieber spielt bei der Kika-Serie „Schloss Einstein“ mit – jetzt war sie zum Film-Casting in London. Wie die 16-Jährige aus Wansleben den Schritt in die Schauspielerei wagte.

Von Anne Holzki
Wansleben/MZ. Wenn Mia Stieber von ihren Drehtagen erzählt, klingt das ein bisschen wie ein modernes Märchen. Nicht mit Prinzessinnen und Einhörnern, sondern mit Kamera, Drehplan und viel Mut. Die 16-Jährige aus dem kleinen Ort Wansleben hat geschafft, wovon viele Kinder träumen: Sie ist Schauspielerin bei der bekannten Kika-Serie „Schloss Einstein“. Seit 2022 steht sie vor der Kamera – und findet darin nicht nur ihre Berufung, sondern auch Freunde fürs Leben.
Der Startschuss für ihre Karriere kam überraschend – und zwar durch ihre Oma. „Sie hat eine Anzeige in der Zeitung gesehen. Da stand, dass Schloss Einstein neue Hauptdarsteller sucht“, erzählt Mia. Sie war damals gerade zwölf – alt genug, um sich zu bewerben. „Ich wollte schon als kleines Kind Schauspielerin werden. Also dachte ich: Warum eigentlich nicht?“ Gesagt, getan – und mit Erfolg. Sie erinnert sich noch genau an den Moment, als die Zusage für ihre Rolle kam. „Ich war gerade am Bahnhof nach der Schule und wurde von dem Kindercoach des Sets angerufen. Ich habe vor Freude geschrien und bin meinem besten Freund in die Arme gesprungen“, sagt Mia.
Zwischen Dreh und Schule
Was danach kam, war eine echte Lebensveränderung. Mia zog mit ihrem Vater nach Erfurt, ihre Mutter und zwei Brüder blieben in Wansleben. „Das war nicht leicht. Neue Schule, neue Stadt, neue Freunde. Aber ich habe am Set tolle Leute kennengelernt. Alle kamen aus ganz Deutschland – wir hatten ein gemeinsames Ziel, das hat uns verbunden“, sagt sie. Drehen und Schule unter einen Hut zu bringen, war nicht immer leicht. Besonders der Wechsel ins Thüringer Schulsystem stellte sie vor Herausforderungen. „Die hatten zwei Jahre länger Latein – da war ich komplett raus“, erzählt Mia mit einem Schmunzeln. Doch Lehrer und Mitschüler unterstützten sie, wo sie konnten. „Da bin ich wirklich dankbar für.“
Ihre Figur Ava war von Anfang an vielschichtig. „Sie kam als Einzelgängerin ans Einstein. Dann wurde sie offener, fand eine beste Freundin, später kam die Familie ins Spiel – und zuletzt die Liebe.“ Avas Liebesgeschichte mit Elly wurde für viele Zuschauer zum Fanliebling: „Es war eine schöne, ruhige Geschichte – keine unnötigen Dramen, sondern einfach ehrlich und liebevoll.“
Für Mia war das Spielen dieser Szenen eine spannende Herausforderung – aber auch ein natürlicher Teil des Berufs: „Wir sind in dem Moment nicht Mia und Nelly, sondern Ava und Elly. Es gehört zum Schauspielern einfach dazu.“ Überhaupt sehe sie ihren Beruf nicht nur als Karriere, sondern als Haltung: Sie will Menschen mit ihren Rollen erreichen und eine von denen sein, auf die man zurückgreifen kann, wenn es einem schlecht geht. „Ich will nicht nur mein eigenes Leben leben“, sagt Mia. „Ich will in viele Welten eintauchen und ihre Geschichten erzählen.“
Daher habe sie keine bestimmten Idole – dafür aber Lieblingsfilme. „Ich liebe Filme, bei denen man nach zehn Minuten einfach nur dasitzt und denkt: Was war das gerade?“ Besonders faszinieren sie düstere Psychothriller. „Ich will mal so eine Rolle wie den Joker spielen. Ein echter Psychopath – tiefgründig, verrückt, aber irgendwie tragisch. Sowas reizt mich total“, sagt sie.
Mit der Zeit ist Mia mit ihrer Rolle gewachsen – und Ava mit ihr. „Am Anfang waren wir komplett unterschiedlich. Aber inzwischen sind wir uns echt ähnlich geworden.“ Während Ava immer offener wird, entdeckt Mia auch neue Seiten an sich: „Ich war früher total extrovertiert, immer laut, immer mittendrin. Jetzt bin ich auch gern mal allein.“ Drei Jahre lang lebte Mia unter der Woche in Erfurt und fuhr nur an Wochenenden und in den Ferien nach Hause. Seit November 2024 ist sie zurück in Wansleben. Doch ganz vorbei ist das Kapitel Schloss Einstein noch nicht: In der neuen Staffel schlüpft sie erneut in die Figur Ava. Dafür fährt Mia immer wieder zu Drehtagen nach Erfurt.
Was sie am Set liebt? Die Zusammenarbeit. „Wenn wir drehen und alles harmoniert, fühlt sich das nicht nach Arbeit an, sondern nach Freunden, die gemeinsam etwas machen.“ Und auch das Miteinander mit dem Team hinter der Kamera: „Die Atmosphäre war total familiär – alle haben sich aufgehoben gefühlt.“

Von Erfurt nach London
Vor Kurzem erreichte Mia den nächsten Meilenstein: Ihre erste Nebenrolle in einem internationalen Film. Vater Martin Stieber erzählt: „Wir haben für Mia eine Agentur gefunden, die Rietz Casting Agentur in Potsdam. Und durch sie kam dann auch die Anfrage für den Film“, sagt er. Es ging plötzlich schnell: „Wir haben Dienstag Bescheid bekommen – und Samstag mussten wir schon in London sein, weil das Casting dort stattfand.“ Die Co-Produktion ist Mias erster großer Schritt außerhalb von „Schloss Einstein“, und das sogar auf einer anderen Sprache. „Sie spricht dort durchgehend Englisch, das ist schon beeindruckend“, sagt ihre Mutter Franziska Stieber. Mehr darf Mia auch noch gar nicht über den Film verraten.
Und auch wenn ihre Wurzeln zu Hause liegen, bei Familie und Freunden, zieht es Mia in die Welt. „Ich will reisen, Kulturen erleben – einfach mehr sehen“, sagt sie. Denn eins ist sicher: Mia hat vor, noch viele Rollen im Leben zu spielen. „Ich versuche, mich weiterzuentwickeln“, sagt Mia. Ihr Künstlername Mik helfe ihr dabei: „Er trennt das Mädchen, das von den Eltern geprägt wurde, von der jungen Frau, die ihren eigenen Weg geht.“ Trotzdem, sagt sie, „sollen Menschen beides sehen – Mia und Mik.“
© Fotos: Jürgen Lukaschek, Nancy Seidel



