Halle
Hallenser Filmemacher dreht für Sky
Georg Schuster

Juliane Graichen, Projektleiterin
Foto: Denny Kleindienst
Georg Schuster dreht für Sky, reist zu Sets in Italien und Marokko, läuft mit Stars wie Evelyn Burdecki durch die Toskana und findet Ruhe in seiner Heimat Halle. Wie der junge Filmemacher es in die große TV-Welt geschafft hat.
Von Hanna Schabacker
Halle (Saale)/MZ
Im einem Büro des Multimediazentrums (MMZ) Halle sitzt ein 23-Jähriger vor Material, das bald Millionen sehen könnten: Georg Schuster, freischaffender Videokünstler, arbeitet an Sequenzen für eine neue Sky-Reihe mit dem deutschen Schauspieler, Reality-TV-Teilnehmer und Musiker Jimi Blue Ochsenknecht und TV-Star Yeliz Koc.
Schuster ist kein Senderangestellter, sondern projektweise dabei, inzwischen aber schon bei drei Sky-Serien. Kreativer Kopf und Entwickler der Formate ist das Leipziger Unternehmen „Zeit für Freiheit“, umgesetzt wird es von der B28 Produktion, Auftraggeber und Sender ist Sky selbst.
Trotz Stars: Halle ist die Wahlheimat
Halle ist Schusters Fixpunkt. „Die Stadt ist meine absolute Wahlheimat“, sagt er. Familie, Freundeskreis, kurze Wege und das MMZ, wo er sich schon früh in ein Büro einmieten konnte: „Seit Juni war ich keine vier Wochen in Halle“, erzählt er, „heute hier, morgen da“. Österreich, Ibiza, Marrakesch, Italien. Aber gerade diese Kontraste mag er. Das Unterwegssein, Menschen und andere Sichtweisen kennenlernen, Kulturen lieben lernen und dann das Wiederkehren nach Hause.
Sein Weg beginnt nicht im Hochschulseminar, sondern zu Hause. Als kleiner Junge beim Umzug von Lieskau in Halles Innenstadt wird Schuster von seiner Mutter gefragt, welche Wandfarbe sein neues Kinderzimmer haben solle. Seine Antwort: „Eine Wand muss unbedingt grün gestrichen werden, ich brauche einen Greenscreen“. Mit zehn schneidet er sich in Mario Bros.-Welten, in der Schule übernimmt er Regie für Bewerbungsvideos.
2020 macht er Abitur und entscheidet sich gegen ein Studium. Denn bereits da trudeln Anfragen und Aufträge ein. Ein Musikvideo für Freunde wird zum ersten Treffer, später geht ein Clip für Bekannte aus Berlin auf YouTube viral. Ein anderer Beruf kam für ihn nie in Frage. „Ich wollte immer etwas aus dem Nichts erschaffen“, sagt der gebürtige Hallenser. Wenn er sich jetzt alte Projekte anschaut, schwebe er in Nostalgie, beobachtet die eigene Entwicklung.

Georg Schuster (rechts) mit Evelyn Burdecki (Mitte) am Set zur neuen Reality-Doku „Being Burdecki“ von Sky.
Kritischer Blick auf die Promi-Branche
Wenn Schuster von seiner Leidenschaft oder wie er selbst sagt, von seiner „Berufung“ erzählt, blitzt etwas in seinen Augen. Auf der anderen Seite betrachtet er einige Entwicklungen in der Branche auch kritisch. „Die Künstliche Intelligenz wächst so schnell, die Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer, und es gibt keinerlei Regulation. Ich versuche, mich davon aber nicht mitreißen zu lassen. Ich halte an der Kunst hinter dem Film fest.“
Der Sprung zu Sky kommt für den 23-Jährigen überraschend schnell. Die B28-Produktion suchte kurzfristig jemanden für das Intro von „Diese Ochsenknechts“. Autorin Olga Weyrich, die Schuster in Halle kennenlernte, empfahl ihn weiter, und dann kam alles Schlag auf Schlag: „Das war nur ein Telefonat mit dem leitenden Autor der Serie Ralph Pauly, und dann durfte ich loslegen“, erzählt er.
„Beim Intro war ich relativ frei und konnte mich künstlerisch austoben.“ Das Ergebnis überzeugte. Schuster führt anschließend auch Kamera in der Staffel, unter anderem beim Campingtrip der Familie Ochsenknecht. Parallel stehen weitere Drehs an. „Häufig arbeiten mehr als zwanzig Leute an den Projekten zusammen, und da wächst man schon als Team, freut sich aufeinander und genießt die gemeinsame Zeit.“
„Es geht um Unterhaltung, nicht ums Vorführen.“
Georg Schuster lacht und gibt offen zu: „Wenn ich ganz ehrlich bin, war ich eigentlich nie ein Fan vom Reality-TV, das hier ist aber eine Dokumentation. Die Zuschauer sollen unterhalten werden, keine Frage, aber es geht eben nicht darum, jemanden vorzuführen oder bloßzustellen. Dahinter steckt ein echter künstlerischer Anspruch“.
Ob der Sender weitere Staffeln von „Diese Ochsenknechts“ plant, wisse er nicht. Aber er würde sich über eine Fortsetzung freuen, berichtetet der Selfmade-Unternehmer aus Halle. Denn die Arbeit am Set mache ihm Spaß.
Mit der sechsteiligen Reality-Doku „Being Burdecki“ führt ihn die Kamera in die Toskana. Er erzählt von einem Drehtag, an dem selbst dort Menschen den deutschen TV-Star Evelyn Burdecki erkannten. „Für mich selbst könnte ich mir diesen Grad an Bekanntheit gar nicht vorstellen“, erklärt Schuster, der die Arbeit mit Burdecki noch in guter Erinnerung hat.
Prominente beeindrucken ihn weniger wegen des Namens als wegen der Haltung am Set. Die Ochsenknechts zu treffen, finde er trotzdem besonders. Nicht zuletzt, weil er früher mit „Die Wilden Kerle“ aufgewachsen sei. Sein Fazit bleibt nüchtern: Sie sind bekannt, aber es sind auch ganz normale Menschen. „Ich habe sie immer freundlich erlebt und zugänglich, wenn jemand um ein Foto oder Autogramm bittet.“

Der freischaffende Videokünstler Georg Schuster aus Halle auf den Treppen des Multimediazentrums Halle, wo er schon kurz nach dem Abitur in sein eigenes Büro gezogen ist.
Viele Projekte auch in Halle
Zwischen Reisen und Projekten bleibt für den jungen Künstler kaum Zeit zum Durchatmen. Zwölf, manchmal sechzehn Stunden schneiden, drehen, nach- und vorbereiten – das ist inzwischen Alltag. Wenn er dann wieder in Halle ist, geht es nahtlos weiter: Er arbeitet an digitalen Inhalten für die Oper Halle, zuletzt für das Stück „Unreines Blut“ oder produziert Clips für lokale Marken wie 7 Gramm, Nutripur oder Shabbys. „Ich find’s schön, dass ich hier in Halle auch Projekte habe“, sagt er. „Ich habe das Gefühl, dass die Stadt gerade einen Aufschwung erlebt“.
Und trotzdem denkt er längst weiter. Eines seiner großen Ziele: ein eigener Kurzfilm. Komplett in Eigenregie und mit fair bezahltem Team. Kein Auftrag, kein Kunde, einfach ein Projekt, das ganz ihm gehört. Bis dahin erzählt er die Geschichten anderer, bleibt der Filmkunst treu und denkt sich in seine neuen Projekte hinein. Schon jetzt tragen diese Georg Schusters eigene Handschrift, denn wie er selbst sagt: „Man erkennt die Arbeiten von mir schon. Aber egal, was man macht, es ist auch immer ein bisschen anders.“
Hinweis: Diese Ochsenknechts läuft bei Sky/WOW. Neue Folgen von Staffel 4 sind seit 16. September verfügbar. Being Burdecki mit Evelyn Burdecki startet am 21. Oktober 2025 bei Sky und WOW. Die neue, noch unbetitelte Sky-Reihe mit Yeliz Koc und Jimi Blue Ochsenknecht ist vierteilig und für Ende 2025 angekündigt.
© Fotos: Hanna Schabacker, Stefanie Schumacher

