Halle
Programmieren und Pumpen
Matteo Schröpfer
Der Hallenser Zwölftklässler Matteo Schröpfer will das Schulsystem auf den Kopf stellen: mit einer Plattform, die Schüler und Experten zusammenbringt und Lernen praxisnah machen soll.

Von Hanna Schabacker
Halle/MZ
Wenn Matteo Schröpfer von seinen Projekten erzählt, leuchten seine Augen. Der Jungunternehmer sitzt in seinem Kinderzimmer im Paulusviertel, neben ihm sein Vater. Auf dem Schreibtisch: ein Bildschirm, eine Tastatur und offene Tabs mit Codezeilen. „Ich will, dass Schule praxisnah wird. Das ist mein Ziel“, sagt er – und klingt dabei weniger wie ein frischgebackener Abiturient als jemand, der längst einen größeren Plan verfolgt.
Schule anders gedacht
Mit „EduLinked“ hat Matteo etwas geschaffen, das es in Deutschland bislang so nicht gibt: eine Plattform, die Schulen und Expertinnen und Experten aus der Berufswelt zusammenbringen soll. „Praxis trifft Schule“, beschreibt er sein Konzept. Lehrkräfte können darüber gezielt Fachleute anfragen – vom Handwerker bis zur IT-Spezialistin –, um Unterricht greifbarer und relevanter zu machen. „Die Frage ,Wofür brauche ich das eigentlich?’ soll damit endlich beantwortet werden.“
Die Idee entstand aus Frust. „Je höher ich in den Klassen kam, desto öfter habe ich mich gefragt: Brauchen wir das alles später wirklich – oder lernen wir es nur für Klassenarbeiten?“ Seine Antwort: Schule und Arbeitswelt müssten stärker zusammenrücken. „Viele Lehrkräfte haben ihr Studium vor Jahren abgeschlossen. Inzwischen spielen Themen wie Digitalisierung oder Künstliche Intelligenz eine riesige Rolle, aber das kommt im Unterricht kaum an“, sagt Schröpfer. „Warum also nicht Menschen in den Unterricht holen, die mitten in der Praxis stehen?“
Sein Vater erinnert sich an viele dieser Gespräche. „Er kam oft unzufrieden aus der Schule, und wir haben diskutiert, wie es besser gehen könnte.“ Anfangs noch parallel zum Schulalltag begann Matteo, EduLinked selbst zu programmieren – unterstützt durch Online-Tutorials, Künstliche Intelligenz und viel Eigeninitiative.
Von der Idee zum Projekt
Drei Monate dauerte es, bis die Plattform stand. Die größte Hürde war ein hartnäckiger Fehler in der Registrierung. „Ich habe unzählige Anläufe gebraucht. Irgendwann war sogar das kostenlose ChatGPT-Limit voll“, erzählt er lachend. Der Durchbruch kam nachts. „Ich habe meinem Vater sofort eine Sprachnachricht geschickt: ,Ich hab’s geschafft!’“ Sein Vater nickt: „Da fiebert man natürlich mit.“
Inzwischen ist EduLinked technisch so weit, dass es genutzt werden könnte: DSGVO-konform, mit Suchfunktionen nach Fach, Klassenstufe und Region sowie einem Bewertungssystem für Expertinnen und Experten. Und das Projekt ist aus dem Kinderzimmer herausgewachsen. Matteo hat Gespräche mit dem Bildungsministerium Sachsen-Anhalt geführt, saß mit Vertreterinnen und Vertretern der Industrie- und Handelskammern sowie der Handwerkskammern an einem Tisch. Das Interesse sei da, sagt er – auch wenn konkrete Entscheidungen noch auf sich warten lassen.

Monatelang tüftelte Matteo Schröpfer an seinem Schreibtisch an „EduLinked“ und fand trotzdem Zeit für Fitnessstudio, YouTube, Schule und Co.
Disziplin statt Partys
Doch Matteo programmiert nicht nur. Er war U18-Kreiseinzelmeister im Schach, trainiert mehrmals pro Woche im Fitnessstudio und entwickelt nebenbei Webseiten für Kunden. Alkohol und Partys? „Interessieren mich nicht.“ Stattdessen vernetzt er sich gezielt mit Menschen, die „unternehmerisch denken“.
Seine Schulnoten beschreibt er nüchtern. Der Fokus habe nie ausschließlich auf der Schule gelegen. „Ich tue das Notwendige – und stecke meine Energie in meine Projekte“, sagt er. Sein Vater sieht das realistisch: „Natürlich hätte er mit mehr Lernen vielleicht bessere Noten. Aber Matteo hat immer gewusst, was er will.“
Familie hält den Rücken frei
Die Familie unterstützt ihn dabei. „Er hat uns immer erklärt, woran er gerade arbeitet, wo es hakt, und wir haben uns mitgefreut, wenn etwas funktioniert hat“, sagt sein Vater. „Dieser Tatendrang – das ist einfach Matteo.“
Wie es nach dem Abitur weitergeht, lässt der 18-Jährige offen. Reisen, ortsunabhängiges Arbeiten, IT- und KI-Projekte – vieles ist denkbar. Klar ist für ihn nur eines: EduLinked will er weiter vorantreiben. „Wenn es hier funktioniert, kann es auch woanders funktionieren“, sagt er.
Wer Matteo Schröpfer gegenübersitzt, spürt schnell: Das ist keiner, der abwartet. Er macht. Schritt für Schritt.
Webseite: www.edulinked.de
© Fotos: Hanna Schabacker, Schröpfer


